
Grau ist alle Theorie dachten sich die Münchner bei der Erläuterung ihrer Benzinsparideen und stellten zum Beweis der Ernsthaftigkeit ihrer Sparideen gleich einen fahrfertigen Prototypen bereit. Schon nächstes Jahr soll der 330i mit Mager-Direkteinspritzung, aktiven Kühlluftklappen, elektrischer Servolenkung und intelligenter Generatorsteuerung in Serie gehen und auf Märkten mit schwefelfreiem Benzin die bisherigen Valvetronicmotoren ablösen.
Unspektakuläre Optik
Der Wagen ist äußerlich nicht von einer aktuellen 3er-Limousine zu unterscheiden. Selbst im Motorraum bleibt der leicht geänderte Ventildeckel unauffällig. Nur Messgeräte und Verkabelung im Kofferraum sowie ein großes Zusatz-Display auf der Beifahrerseite verraten den Prototypen.
Fährt ganz normal – mit Super
Der Fahreindruck ist ebenfalls unspektakulär: Der 330i ohne Valvetronic, aber mit Direkteinspritzung fährt sich fast genauso wie das Serienmodell: flott und einfach. Lediglich ein leichtes Schiebelastruckeln bei niedrigem Tempo und ein paar Unregelmäßigkeiten im Motorlauf deuten darauf hin, dass die Entwicklung des Kennfeldes noch nicht abgeschlossen ist. Übergänge vom Mager- zum Homogenbetrieb sind zwar nicht zu bemerken, aber beispielsweise ist die zyklische Anfettung des Gemischs zur Reinigung des zusätzlichen Speicherkats noch zu spüren.
Verbrauchsüberwachung als Spar-Motivation
Bemerkenswerter ist da schon der Einfluss der Info-Displays auf die Fahrgewohnheiten. Wo der Pilot sonst freudig den gut 270 PS starken Sechszylinder die Sporen geben würde, verharrt der Blick auf dem Kennfeld im großen Display, wo zu erkennen ist, ob die Maschine mit dem jeweiligen Gang und der anliegenden Gaspedalstellung im Magerbetrieb arbeitet. Zusätzlich gibt es noch einen Leuchtpfeil im Zentralinstrument, der Hoch- oder Runterschalten empfiehlt. Er soll auch im Serienmodell kommen – anders als die Grafiken auf dem i-Drive-Display, die den Durchschnittsverbrauch in 20-Sekunden-Intervallen sowie insgesamt darstellen und außerdem zeigen, wie Bremsmanöver die Batterie laden.
Unter acht Liter Verbrauch mit 272 PS
Das Ergebnis ist trotz leicht verbrauchssensibler Fahrweise beeindruckend: Auf gemischtem, aber keineswegs verbrauchsgünstigem Profil (etwa 50 Prozent Stadt mit einigen Ampeln, 50 Prozent Landstraße) konsumierte der Dreiliter-Sechszylinder lediglich 7,9 Liter – trotz eingeschalteter Klimaanlage, die laut des begleitenden Technikers allein etwa 0,5 Liter auf 100 Kilometer schluckt. Der Normverbrauch von 7,3 Liter nach EU-Drittelmix scheint demnach durchaus realistisch.
Lieber groß und mager statt klein und aufgeladen?
Zum Vergleich: Ein 250 Kilogramm leichterer und 100 PS schwächerer Golf GT TSI mit 1,4-Liter-Motor und Doppelladertechnik braucht laut Hersteller 7,2 Liter auf 100 Kilometer. Der Wolfsburger kann dafür auf satte 240 Nm bei niedrigen 1750 U/min zurückgreifen, was sich vermutlich kraftvoller anfühlt als ein im mageren Kennfeld bewegter Sechszylinder. Verbrauchsschonende Fahrweise dürfte mit dem aufgeladenen Motor mehr Spaß machen, der spezifische Spritkonsum aber wird beim BMW niedriger sein.
