Deutschland hat im vergangenen Jahr sein Klimaziel erreicht. Das heißt: Das Land hat insgesamt nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen, als es sich für diesen Zeitraum vorgenommen hatte. Allerdings fiel der Rückgang der Emissionen geringer aus als noch im Jahr zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt die Denkfabrik Agora Energiewende in einer aktuellen Studie.
Demnach hat Deutschland im Jahr 2025 rund 640 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Um die Wirkung der verschiedenen Gase vergleichbar zu machen, werden sie in einer gemeinsamen Maßeinheit zusammengefasst.
Im Vergleich zu 2024 sind die Emissionen um 1,5 Prozent gesunken. Dies entspricht weniger als der Hälfte der Einsparungen aus dem Vorjahr.
“Deutschland verliert Tempo beim Klimaschutz”, sagte Direktorin Julia Bläsius. Damit seien die Klimaziele für das Jahr 2030 in Gefahr, schreibt Agora Energiewende. Bis dahin soll der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen eigentlich um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken. Um dieses Ziel einzuhalten, müssten ab diesem Jahr im Durchschnitt 36 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden, viermal so viel wie im vergangenen Jahr, rechnet die Denkfabrik vor.
Wie schon in den Vorjahren sei die schlechte Wirtschaftslage maßgeblich mitverantwortlich für den geringeren CO₂-Ausstoß, stellen die Experten fest. Insbesondere energieintensive Industrien produzieren weniger, die exportorientierte deutsche Wirtschaft leider unter der Handelspolitik der USA und Chinas.
Gebäude und Verkehr kommen beim Klimaschutz kaum voran
Wie schon in den Jahren zuvor hat sich der Klimaschutz im Gebäude- und Verkehrsbereich auch 2025 nur wenig verbessert. In beiden Bereichen ist der CO₂-Ausstoß sogar gestiegen, wie Fachleute berichten. Ein Grund dafür war der kalte Start ins Jahr: Dadurch wurden mehr Öl und Gas zum Heizen verbraucht. Insgesamt stiegen die Emissionen um 3 Millionen Tonnen CO₂, das sind 1,4 Prozent mehr als im Jahr 2024.
Nicht in allen Bereichen sind Daten bereits für das gesamte Jahr 2025 verfügbar. Teilweise greift Agora Energiewende deshalb auf Hochrechnungen zurück.
Nach ersten Berechnungen wird Deutschland die europäischen Klimavorgaben deshalb um etwa 30 Millionen Tonnen CO₂ verfehlen. Wenn sich daran nichts ändert, müsste die Bundesregierung bis 2030 zusätzliche Verschmutzungsrechte von anderen Ländern kaufen. Diese könnten den Staat bis zu 34 Milliarden Euro kosten.
Erneuerbare Energien liefern ab
Ein positiver Faktor war der Anstieg der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um etwa zwei Prozent. Dieser Zuwachs ist vor allem auf die Solarenergie zurückzuführen. Im besonders sonnigen Jahr 2025 wurde mit Solaranlagen so viel Strom erzeugt wie noch nie zuvor.
Außerdem wurden viele neue Solaranlagen gebaut: Sie haben zusammen eine zusätzliche Leistung von 17,5 Gigawatt. Dadurch war die Fotovoltaik erstmals die zweitwichtigste Stromquelle in Deutschland – sie lieferte also mehr Strom als Gas- und Kohlekraftwerke. Am meisten Strom wurde der Untersuchung zufolge aus Windkraftanlagen gewonnen.
