Forscher vom Nationalmuseum Wales und der Cardiff University haben den vierstelligen Buchstabencode eines 400 Jahre alten Messing-Vorhängeschlosses geknackt. Das Schloss stammt aus dem Schiffswrack der Ann Francis, einem Handelsschiff, das 1583 auf dem Rückweg aus Spanien in einen Sturm geriet und vor der Küste von Südwales Schiffsbruch erlitt.
Die Ladung des Schiffes lag jahrhundertelang unter Sand versteckt, bis der heute 69 Jahre alte Peter Hughes 1996 in der Nähe von Port Talbot Hunderte von Gold- und Silbermünzen entdeckte, nachdem ein Sturm den Sand weggeblassen hatte. Unter den Münzen befand sich auch das Messingschloss. Die Forscher vermuten, dass es zu einer Truhe auf der Ann Francis gehört hat, in der der Kapitän wichtige Dokumente oder wertvolle Texttilien aufbewahrte.
Er habe 20 Jahre lang versucht, das Schloss zu entsperren, erzählte Hughes der BBC, »ich habe versucht, die Zifferblätter zu verschieben und die richtige Kombination zu finden.« Irgendwann gab Hughes auf und überließ den Schatz 2017 dem Nationalmuseum Wales. Im vergangenen Sommer wurde er im National Waterfront Museum in Swansea ausgestellt, neben den leuchtenden Münzen wurden einige Artefakte gezeigt – und das geheimnisvolle immer noch geschlossenes Vorhängeschloss der Kapitänstruhe.
400 Jahre altes Rätsel gelöst
Konservatoren des Nationalmuseums baten Ingenieure mithilfe von Mikro-Computer-Tomographie 3-D-Bilder vom internen Mechanismus des Schlosses zu erstellen, um die historische Vier-Buchstaben-Kombination zu enthüllen. Normalerweise werden mit Computertomographie Knochen und anderes biologisches Gewebe gescannt, etwa um Tumore zu finden.
David Williams, einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Cardiff University, sagte zur BBC, er sei sehr »skeptisch« gewesen, als er gebeten wurde, ein Scangerät zu verwenden, um zu versuchen, das Rätsel zu lösen. Doch nach ein paar Scans hatten er und seine Kollegen den Code geknackt: ANCE. »Durch die detaillierten 3-D-Bilder des internen Mechanismus konnte ich sehen, wie die Kerben mit den Buchstaben übereinstimmten und so die genaue Kombination identifizieren«, sagte William zur britischen Zeitschrift The Independent.
Es ist nicht das erste elisabethanische Kombinationsschloss, das in Großbritannien geborgen wurde. Für die Forscher hat es aber eine besondere Bedeutung, weil es mit Sicherheit zum Wrack der Ann Francis gehört, das sicher datiert werden kann.
