Jeder zweite Mensch in Deutschland hat in der Kindheit oder Jugend körperliche Gewalt
erfahren. Das zeigt eine repräsentative Studie der Bundesregierung. Demnach sind 51,7 Prozent der Männer als
Minderjährige mindestens einmal geschlagen oder körperlich verletzt
worden sowie 49,3 Prozent der Frauen. Von sexuellen
Übergriffen in der Kindheit und Jugend waren demnach deutlich mehr
Frauen (5 Prozent) betroffen als Männer (1,9 Prozent). Schläge
in der Kindheit sind in Deutschland eigentlich durch das Bürgerliche Gesetzbuch ausdrücklich verboten.
Die Bundesregierung hat eine Dunkelfeldstudie mit dem Titel “Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag” in Auftrag gegeben. Für diese wurden zwischen Juli 2023 und Januar 2025 bundesweit insgesamt 15.479 Menschen
im Alter zwischen 16 und 85 Jahren befragt. Sie soll das Ausmaß von Gewalt in Deutschland erfassen, die nicht Gegenstand der jährlich veröffentlichten
Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ist, da sie nicht angezeigt wurde. Die Studie wurde vom Bundeskriminalamt mit dem Bundesinnen- und dem Bundesfamilienministerium durchgeführt.
Meistens sind Frauen Opfer von Gewalt – und die Täter zumeist Männer
Der Studie zufolge werden Frauen deutlich häufiger
Opfer sexualisierter Übergriffe als Männer. Den Angaben zufolge wurden 1,5
Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer in den vergangenen fünf
Jahren Opfer einer Vergewaltigung. Täter sind laut Studie in den meisten Fällen Männer – gegenüber allen Geschlechtern. Während bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Übergriffen die
Täter zu 98,2 Prozent männlich sind, ist auch bei 33,7 Prozent der gegen
Männer gerichteten sexuellen Übergriffe der Täter ein Mann.
Frauen bringen der Studie zufolge sexualisierte Gewalt jedoch deutlich
seltener zur Anzeige als Männer. Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt demnach bei drei Prozent. Männliche Opfer
zeigen laut Studie in 14,5 Prozent der Fälle
an.
Sexuelle Belästigung in Form von unerwünschten Kussversuchen oder Berührungen sowie
exhibitionistische Handlungen haben 14,5 Prozent der Frauen in den
vergangenen fünf Jahren erlebt, zudem 4,6 Prozent der Männer. Während
Männer derartige Formen von Belästigung oft durch Bekannte
erleben (45,1 Prozent), sind es bei den Frauen häufiger Fremde (45,7
Prozent). Laut Studie haben 17,3 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der
Männer solche unangenehmen Erlebnisse bereits einmal in ihrem Leben gehabt.
Gewalt zumeist in der Partnerschaft
Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalt ereignet sich laut der Studie innerhalb einer Partnerschaft. 8,4 Prozent der
männlichen und 5,6 Prozent der weiblichen Betroffenen
berichten zudem von körperlicher Gewalt nach Beendigung der Beziehung. Unterschiede gibt es auch bei der Art der Gewalt: Während betroffene Männer etwas häufiger als Frauen von einer leichten
Ohrfeige berichten, geben Frauen häufiger als Männer an, getreten oder
gestoßen worden zu sein.
Den Ergebnissen zufolge erlebten zudem 23,8 Prozent der Frauen
und 23,3 Prozent der Männer in den zurückliegenden fünf Jahren
psychische Gewalt in Paarbeziehungen oder
ehemaligen Paarbeziehungen. Schon einmal betroffen waren 48,7 Prozent der Frauen und 40,0 Prozent der
Männer. Erfasst wurde hier emotionale, kontrollierende und ökonomische Gewalt.
Menschen mit Migrationshintergrund sind den Angaben zufolge stärker von Gewalt
durch Partner oder Ex-Partner betroffen als Menschen ohne
Zuwanderungsgeschichte. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund
haben demnach in den vergangenen fünf Jahren 7,6 Prozent der Frauen und
7,4 Prozent der Männer solche körperliche Gewalt erlebt.
Von den Menschen ohne Migrationshintergrund waren 4,3
Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der Männer betroffen.
