Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die kanadische Dichterin und Autorin Anne Carson. Das teilte die Schwedische Akademie in Stockholm mit. Die Kanadierin werde »für ihr kühnes und einfallsreiches Werk« mit verspielten Dialogen in klassischer Form geehrt, hieß es zur Begründung. Dadurch habe die Schriftstellerin neue Formen für die Gegenwartsliteratur geschaffen.
Als die Akademie die Dichterin über die Auszeichnung informierte, sei sie sehr bewegt gewesen. Sie sei gerade dabei gewesen, in Island »dem Wind zuzuhören«, hieß es. Im vergangenen Jahr war der ungarische Autor László Krasznahorkai mit dem prestigeträchtigen Preis ausgezeichnet worden.
Unter Fachleuten galt Carson bereits seit Jahren als Anwärterin auf den wichtigsten Preis der Literaturwelt. Carson kam 1950 in Toronto zur Welt. Bekanntheit erlangte Carson für die unkonventionelle Verbindung verschiedener literarischer Formen. In ihren Werken verschränkt sie klassische Philologie, Lyrik, Essay, Übersetzung, Erzählung und dramatische Formen. Ihre Texte verbinden eine ausgeprägte Gelehrsamkeit – insbesondere mit Blick auf die griechische und römische Antike – mit moderner Sensibilität, Ironie und persönlichen Reflexionen.
Zu Carsons bekanntesten Büchern gehören Rot (1998), ein Versroman, der den griechischen Mythos von Geryon neu interpretiert, sowie Nox (2010), ein experimentelles Werk über das Leben und den Tod ihres Bruders. Der bittersüße Eros (1986) ist eine essayistische Untersuchung über die Natur der Liebe in der antiken griechischen Literatur.
Carson ist zweite Literaturnobelpreisträgerin aus Kanada
Carson wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter dem T. S. Eliot Prize, einer Guggenheim Fellowship und einer MacArthur Fellowship. Den T. S. Eliot Prize erhielt sie 2001 für The Beauty of the Husband – die heute 76-Jährige war die erste Frau, die den britischen Literaturpreis gewann. Carson ist außerdem Professorin für Klassische Philologie und lehrte an mehreren Universitäten in Kanada und den USA.
Bislang sind 29 Nobelpreise in verschiedenen Kategorien, davon einer für Literatur, an Kanada gegangen. Vor Carson hat 2013 die Schriftstellerin Alice Munro (1931-2024) den Literaturnobelpreis erhalten.
Der erste Literaturnobelpreis wurde 1901 an den französischen Schriftsteller Sally Prudhomme verliehen. Bisher sind 119 Nobelpreise für Literatur an 123 Autoren gegangen, davon an 19 Frauen.
Seit Montag sind bereits Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Darunter sind auch zwei Deutsche: Peter Hegemann und Georg Nagel bekamen den Medizin-Preis zusammen mit dem Amerikaner Karl Deisseroth für ihre Entdeckungen auf dem Feld der Optogenetik. Mit dem Physik-Nobelpreis wurde der belgisch-amerikanische Forscher Francis Halzen geehrt. Der Nobelpreis für Chemie ging an den Franzosen Henri Kagan und den Japaner Kenso Soai für entscheidende Grundlagen unter anderem für die Entwicklung von Medikamenten.
