
In den nächsten Wochen wird das „Werk-Raum“ genannte ehemalige Kaufhaus an der Wiesbadener Fußgängerzone Ort einer Zeitreise für Kinder und Erwachsene in eine Schreibstube der Römer vor 2000 Jahren. Tags darauf geht es in die Druckwerkstätten des 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten Bauhauses. Und wieder einen Tag später werden junge und alte Besucher etwas über das Mittelalter lernen können. Noch in dieser Woche geht es bei einer Diskussionsveranstaltung des DGB in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum um „Wege zu einer gerechten Gesellschaft“, und an diesem Mittwoch ist das Hessische Staatstheater mit einer Lesefassung des Stückes „Unser Erbe: Tax me if you can“ zu Gast.
Das Wiesbadener Stadtmuseum feiert mit vielen außergewöhnlichen Veranstaltungen im Werk-Raum natürlich auch sein zehnjähriges Bestehen. Den Verantwortlichen geht es aber vor allem darum, zu zeigen, welche Anziehungskraft Ausstellungsräume, die auch Stätte der Kultur und des Austausches sein möchten, entfalten können – wenn sie nur den Ort dafür haben. Das gelingt dem Stadtmuseum und der es unterstützenden Stiftung in der alten Kaufhalle, später Sportscheck, gerade in glänzender Form.
Ein Gewinn trotz zusätzlicher Kosten
Das Gebäude gehört der Stadt, aber wollte sie den Bau an der Fußgängerzone dauerhaft in der beschriebenen Art und Weise nutzen, müsste sie dafür zusätzliche Mittel aufbringen. Ein so vielfältiges Angebot, wie es das Stadtmuseum in Kooperation mit Partnern im Werk-Raum entwickelt hat, gibt aber Grund zu der Annahme, dass sich daraus dauerhaft ein wichtiges Element des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt entwickeln kann. Und das mitten in der ansonsten verödenden Innenstadt. Das sollte der Stadt Geld wert sein.
Dass das Stadtmuseum seit zehn Jahren im feuchten Marktkeller ausharrt, ist ohnehin ein Skandal. Zudem ist es bislang nicht gelungen, die alte Kaufhalle irgendwie dauerhaft und attraktiv für die Bürger zu nutzen. Die Stadt sollte jetzt dem Stadtmuseum eine Chance geben.
