
Klimafolgenforscher an der Universität Gießen und der Hochschule in Geisenheim können durchatmen. Das Landwirtschaftsministerium gelobt langfristige finanzielle Hilfen für ihre Arbeit in den sogenannten FACE-Projekten. Das Kürzel steht für Free Air CO₂ Enrichment. In diesem Fall erhalten Nutzpflanzen mehr Kohlendioxid, als sie aus der Luft aufnehmen können. Pflanzen brauchen es für die Photosynthese, dabei wandeln sie das Treibhausgas und Wasser unter dem Einfluss von Sonnenlicht in Zucker als Nahrung um und geben Sauerstoff an die Umwelt ab.
Die Zusage des Landes ist nicht nur angesichts dieses Hitzesommers und der nach wie vor ausgeprägten Trockenheit mit ihren Nachteilen für weite Teile der Ernte und für die Vegetation im Allgemeinen wichtig. Langfristig angelegte Forschungsreihen wie jene in Mittelhessen und im Rheingau benötigen Kontinuität. Mit der diesjährigen Unterstützung will das Land zu dieser Kontinuität beitragen. Zudem nimmt das Ministerium durch seine langfristig ausgerichtete Zusage den Forschern die in den vergangenen Monaten aufgrund der schwierigen Haushaltslage aufgekeimte Unsicherheit. Das ist gut so.
Denn in der Versuchsanlage der Universität Gießen in Linden sammeln die Forscher schon seit 30 Jahren viele Daten – ein auf der Welt einzigartiger Erfahrungsschatz. Diese Arbeit dient nicht nur der Grundlagenforschung – die Landwirtschaft der Gegenwart kann schon Nutzen aus den Erkenntnissen ziehen. Nur: Ohne weitere Landeszuschüsse drohte ein Ende dieser Datenreihe. Das kann angesichts des Klimawandels aber kein verantwortungsbewusster Politiker wollen. Landesgeld ist auch aus einem anderen Grund wichtig, es dient den Forschern als Hebel. Ohne Basisfinanzierung könnten sie keine Drittmittel einwerben. Allein für die Anlage in Linden haben Forscher über die Jahre aber eine zweistellige Millionensumme eingeworben.
Und ihre Arbeit strahlt international aus. Auf dem Gelände ist seit gut einem Jahr das Liebig Centre als erstes Institut der Vereinten Nationen an einer deutschen Hochschule beheimatet. Es vernetzt internationale Wissenschaftler, um Lösungen für die Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung angesichts der Folgen des Klimawandels zu finden. Solche Lösungen brauchen auch Winzer und mit dem Gemüseanbau befasste Bauern.
