„Ärgerlich“ – das Wort fiel am Samstagabend in der ersten Analyse nach dem Abpfiff aufseiten von Eintracht Frankfurt besonders häufig. Gerade hatte die Mannschaft von Trainer Niko Arnautis das Topspiel der Frauen-Bundesliga gegen Bayern München 0:1 verloren und damit auch den möglichen Sprung an die Tabellenspitze verpasst. Dabei zeigte die Eintracht, die sich vorgenommen hatte, gegen den seit fast zwei Jahren in der Liga ungeschlagenen deutschen Meister zu punkten, keine schlechte Leistung.
Die Frankfurterinnen ließen wenige gefährliche Aktionen der Gegnerinnen zu und gingen doch als Verlierer vom Platz. Auch weil die eigenen offensiven Bemühungen am Samstagabend nicht präzise genug waren, in den Angriffen die letzte Genauigkeit fehlte. „Es ist bitter, dass wir nach so einem guten Kampf nicht mal einen Punkt mitnehmen. Trotzdem bin ich stolz auf die Leistung“, sagte Eintracht-Kapitänin Laura Freigang am vereinseigenen Mikrofon.
Anfangs hatten die Eintracht-Frauen mehr vom Spiel
Dabei war der Plan der Hessen zunächst aufgegangen. Mutig wollte Arnautis seine Mannschaft spielen lassen, und das zeigte die Elf auf dem Rasen auch in den Anfangsminuten. Die 5750 Zuschauer im ausverkauften Stadion am Brentanobad sahen schon nach knapp 30 Sekunden die erste Ecke für die Gastgeberinnen, wenige Minuten später den ersten Torschuss von Larissa Mühlhaus (9.), den Bayerns Torhüterin Ena Mahmutovic ohne Probleme fangen konnte. In einer munteren und ausgeglichenen ersten Viertelstunde hatten die Frankfurterinnen sogar etwas mehr vom Spiel, bekamen die ersten fünf Ecken der Partie zugesprochen und wurden mit Mühlhaus (17.) und Freigang (18.) erstmals gefährlich. „Man bekommt nicht viele Chancen, aber dann muss man auch effektiv sein, das waren wir leider nicht“, sagte Frankfurts Innenverteidigerin Amanda Ilestedt.
Effizient waren dagegen die Gäste, die gleich mit ihrem ersten Torschuss erfolgreich waren. Nach einer Ecke der Frankfurterinnen köpfte Münchens Edna Imade den Ball zunächst aus dem eigenen Strafraum, wo Bayerns Neuzugang Sophie Proost schnell reagierte, Frankfurts Nina Lührßen den Pass auf Klara Bühl nicht verhindern konnte, diese Paulina Krumbiegel enteilte und von der linken Seite ins lange Eck schoss. „Den Ball setzt sie auch in Weltklassemanier. Das war am Ende der Unterschied“, so Arnautis. Dass der Gegentreffer ausgerechnet durch einen Konter nach einer eigenen Ecke fiel, bezeichnete Ilestedt als „sehr ärgerlich“.

In der Folge verlagerte sich das Spiel zunehmend vor das Tor von Lina Altenburg, eingreifen musste sie aber selten. „Auch wenn wir viel Ballbesitz hatten, haben wir daraus nicht viele Chancen machen können“, so Bayern-Trainer José Barcala, dessen Mannschaft nun seit 48 Spielen in der Bundesliga ungeschlagen ist. Dass der deutsche Meister am Samstagabend nur zu wenigen gefährlichen Abschlüssen kam, lag an Ungenauigkeiten im eigenen Spiel, aber auch daran, dass die Frankfurterinnen meistens kompakt standen und wenig zuließen. Dafür gab es auch Lob von Barcala für ein „toughes Spiel“ und einen „wirklich guten Kampf“ der Frankfurterinnen, die es vor allem durch Kontersituationen schafften, bis an die Grenze des Strafraums vorzudringen. Zwingend wurde es aber zu selten.
„Was uns so ein bisschen gefehlt hat, war dieser letzte Ball, die letzte Flanke oder auch dieses Quäntchen bei den Abschlüssen“, sagte Arnautis. Auch in der zweiten Halbzeit konnten beide Mannschaften wenige gefährliche Abschlusssituationen kreieren. Freigang verpasste den Ausgleich per Kopf (60.) und Mühlhaus per Seitfallzieher (84.), auf der anderen Seite gingen die Schüsse von Linda Dallmann (67.) knapp und von Pernille Harder (79.) deutlich über das Tor von Altenburg.
„Am Ende hat die Energie gefehlt“
Mit zunehmender Spieldauer war den Frankfurterinnen auch ihr hohes Pensum der vergangenen Wochen anzumerken. Mit 13 Pflichtspielen hat das Team so viele absolviert wie keine andere Mannschaft der Bundesliga. „Am Ende hat auch die letzte Energie gefehlt“, konstatierte Arnautis gegenüber der ARD. Die 20 Jahre alte Vivienne Lia brachte nach ihrer Einwechslung (83. Minute für Blomqvist) noch mal Schwung für die Offensive, für den Ausgleich reichte es aber nicht mehr.
Trotz der ersten Bundesliga-Niederlage im sechsten Spiel blickt Arnautis vor der Länderspielpause positiv auf den Saisonbeginn. „Wenn ich die ersten drei Monate nehme mit dem neuen Team bin ich sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir in diesen Monaten zusammengefunden und gespielt haben.“ Einzig gegen die beiden Champions-League-Teilnehmer Bayern München und Paris Saint-Germain ging sein Team als Verlierer vom Platz, in beiden Spielen war die Eintracht nicht chancenlos. „Man sieht, dass wir als Mannschaft eins, zwei Schritte nach vorne gemacht haben“, sagte Frankfurts Sportdirektorin Babett Peter. „Darauf wollen wir aufbauen und noch souveräner in gewissen Situationen auftreten und solche Spiele auch mal für uns gestalten können.“ Arnautis sprach von einem Lernprozess, „um auf dem Niveau sehr nah ranzukommen“.
Für die Gäste kam es wenige Minuten vor Abpfiff noch zu einem Schreckmoment, als Giulia Gwinn verletzt ausgewechselt werden musste. Bei einem Zweikampf mit Frankfurts Ereleta Memeti war sie ohne Einwirken der Gegnerin mit dem linken Fuß umgeknickt, ihr Sprunggelenk wurde anschließend bandagiert. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zeigte sich Barcala noch vorsichtig optimistisch, dass sich die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft keine schwere Verletzung zugezogen hatte, genauere Aussagen seien erst nach weiteren Untersuchungen möglich.
