
Die stärksten Verbände des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) haben sich am Freitag und Samstag in Oberhaching nicht auf einen Vorschlag einer Findungskommission für die Neuwahlen des Präsidiums Anfang Dezember in Frankfurt einigen können. Nach Informationen der F.A.Z. gibt es Widerstand unter anderem in einem Dutzend Spitzenverbänden.
Ein Vertreter der Winterfraktion hatte der F.A.Z. in der vergangenen Woche bestätigt, die zu diesem Zeitpunkt längst kursierende Personalplanung nicht zu unterstützen. Die Findungskommission, eine Initiative der Spitzenverbände von Ende März, hatte Michael Mronz, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), nach fünf Sitzungen zu ihrem ersten Kandidaten für die Nachfolge von Thomas Weikert als DOSB-Präsident erklärt. Der Kölner äußerte sich bislang nicht öffentlich zu seinem Interesse.
Wintersportverbände fordern Mitsprache
Am Freitag stellte er sich und sein Programm unter anderem den Landessportbünden (LSB) in Oberhaching auf einer lange geplanten Sitzung vor. Ein Ohrenzeuge berichtete von einem „soliden Vortrag“ des Neunundfünfzigjährigen. Irritiert habe nicht der Vorschlag der unter anderem mit Vertretern der Spitzenverbände und der Landessportbünde besetzten Findungskommission, sondern das Verhalten der Spitzenverbände. Das sei „unprofessionell“, „verantwortungslos“.
Im Namen der Mehrheit der Wintersportarten beansprucht der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), Jörg Flechtner, für sich unter anderem eine Position im Präsidium. Im Bericht der Findungskommission, die Grundlage für das Treffen am vergangenen Freitag, ist von drei neuen Personen im Präsidium die Rede: Fritz Joussen soll als „externe Persönlichkeit außerhalb des organisierten Sports“ durch seine Erfahrung in Führungspositionen bei TUI und Vodafone mitwirken.
Olympiasiegerin gesetzt
Den 39 Jahre alten Gewichtheber-Präsidenten Florian Sperl sieht das Gremium als „jüngeres Gesicht“ unter anderem mit Eignung zum Austausch mit Verbänden. Silke Renk-Lange würde als Präsidentin des LSB Sachsen-Anhalt die Interessen der Landessportbünde wahrnehmen. Bekannt wurde sie im Sport 1992 mit dem Olympiasieg im Speerwerfen. Sie kann sich, das ist ein greifbares Ergebnis von Oberhaching, weiterhin auf die volle Unterstützung des LSB verlassen, wie es hieß.
„Zentrale Aufgabe“ des neuen Präsidiums, so steht es im Bericht der Findungskommission, soll in den „kommenden Jahren die Unterstützung“ (des Sports durch/d. Red.) die „Politik und Wirtschaft sowie weiterer gesellschaftlicher Gruppen, die Sicherstellung der Autonomie des Sports und die Stärkung der internationalen Vernetzung und Handlungsfähigkeit“ sein.
Das Präsidium unter Mronz hätte laut Kommission en détail zu erledigen: „Stärkung der Einheit des organisierten Sports bei Gewährleistung seiner Vielfalt“, die „Weiterentwicklung des DOSB als Dienstleister für seine Verbände“, die „aktive Bearbeitung der Herausforderungen aus Sportfördergesetz, Sportagentur, Leistungssportreform und allgemeiner Sportentwicklung“. Die Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele und Paralympics mit München könne dabei als Motor für die Entwicklung des Breiten- und Leistungssports dienen.
Wie groß der Widerstand gegen die Vorschläge ist, ließ sich am Sonntag nicht präzise erkennen. Vorerst schwer greifbar, aber virulent ist die Entwicklung eines Machtkampfes um die Führung im DOSB. Zwar hieß es aus der Findungskommission, alles „sei bestens“, der Prozess in die Wege geleitet. Aber es gibt einen potentiellen Gegenkandidaten. Intern hat Professor Martin Engelhardt, Vizepräsident des DOSB, Präsident der Triathlon-Union, Chefarzt und Chirurg, sein Interesse an einer Kandidatur erklärt. „Der Wahlkampf“, sagte ein Spitzenverbandspräsident der F.A.Z., „hat begonnen.“
