
Bei elf Bewerbern auf höchstens fünf verfügbare Plätze war die Enttäuschung für die nicht zum Zuge gekommenen Universitäten oder Universitätsverbünde in der Exzellenzstrategie geradezu vorprogrammiert. Da war es ein schwacher Trost für die niedersächsischen Universitäten, dass ihr Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD), der auch stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftsministerkonferenz ist, versicherte, dass wertvolle Strategien, Kooperationen und Entwicklungsperspektiven auch dort bestehen bleiben, wo der Exzellenzstatus mit zusätzlichen Fördergeldern nicht erlangt wurde.
Ob das Land zusätzliche Mittel bereitstellen wird, um die Pläne wenigstens ansatzweise zu verwirklichen, sagte der Minister nicht. Die Medizinische Hochschule Hannover, die Universität Hannover, sowie die Northwest Alliance (Universität Bremen und Universität Oldenburg) gingen leer aus.
Zwei Exzellenzuniversitäten im Osten
Nicht erfolgreich waren auch der mittelhessische Verbund der Universität Gießen und Marburg sowie die Universitäten in Kiel und Würzburg. „Wettbewerb kann man nicht nur dann gut finden, wenn man gewinnt“, äußerte Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU), der Würzburg als Exzellenzuniversität besonders gern gesehen hätte. Denn weiter finden sich beide Exzellenzstandorte in München. Sowohl die TU als auch die Ludwig-Maximilians-Universität konnten ihren Exzellenzstatus verteidigen.
Dass am Ende zwei Verbünde, das Ruhr Innovation Lab (Universität Bochum und TU Dortmund) sowie die Rhein-Main-Universitäten (TU Darmstadt, Universität Frankfurt und Universität Mainz), die nötigen drei Exzellenzcluster für Universitätsverbünde einwerben und den Exzellenzstatus erringen konnten, verbreitert die Spitze, bedeutet aber auch, dass die Mittel pro Standort gekürzt werden. Als Einzeluniversität neu in der Exzellenzstrategie hat die Universität Jena reüssiert. Neben der TU Dresden ist es die zweite Exzellenzuniversität im Osten. Wieder dabei sind die Universitäten in Freiburg und Köln. Freiburg gehörte von 2007 bis 2012 dazu, Köln von 2012 bis 2019.
Baden-Württemberg hat es wieder geschafft, auf vier Exzellenzuniversitäten zu kommen, auf drei badische (KIT Karlsruhe, Heidelberg und Freiburg) und eine schwäbische (Tübingen). Für das Land sind damit nicht nur Renommee, sondern auch gewaltige Kosten verbunden. Denn die Mittel werden zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den jeweiligen Sitzländern getragen. Einzelbewerber können im Höchstfall mit bis zu 15 Millionen Euro im Jahr rechnen, Universitätsverbünde mit 15 bis 28 Millionen Euro im Jahr. Die Gesamtsumme von 208 Millionen Euro muss auf 15 Verbünde und Einzeluniversitäten verteilt werden. Das bedeutet, dass die beantragten Fördersummen aller 15 Exzellenzstandorte um etwa 21 Prozent gekürzt werden. Für manche wissenschaftliche Projekte heißt das, umzuplanen und Forschungsziele einzuschränken.
Auch in dieser letzten Runde der Exzellenzstrategie wurden die Verantwortlichen aus Politik und Wissenschaftsorganisationen (Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft/DFG) nicht müde zu betonen, dass es sich um ein rein wissenschaftsgeleitetes Verfahren handele. Überhaupt herrschte insgesamt ein apologetischer Ton, der eher darauf hindeutet, dass die Exzellenzstrategie in der bisherigen Form nicht fortgesetzt wird. Eine Evaluation, die Vor- und Nachteile analysiert, ist jedenfalls geplant. Dann wird sich auch die Frage stellen, ob eine weitere Verbreiterung der Spitze sinnvoll ist.
Die sogenannte Exzellenzkommission mit 39 Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland hatte zehn bestehende Exzellenzstandorte schon im März bestätigt und deren Laufzeit bis 2033 verlängert. Es sind die TU München, die LMU München, die Universitäten in Tübingen, Heidelberg und das KIT in Karlsruhe, die TU Dresden, der Verbund der Berliner Universitäten, die Universität Bonn, die RWTH Aachen und die Universität Hamburg. Seit Dienstag hatte die Exzellenzkommission über der Auswahl der fünf neuen gebrütet und den Politikern, die am Donnerstagabend dazustießen, eine Liste mit grünen und roten Bewertungen vorgelegt. Sie wurde auch ohne Änderungen übernommen.
Weder Regionalproporz noch finanzielle Auswirkungen hätten bei der wissenschaftlichen Bewertung eine Rolle gespielt, sondern eine klare und substanzielle wissenschaftliche Vision, die international konkurrenzfähig sei, versicherte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick. Während die DFG für die Auswahl der Cluster (Forschungsverbünde) federführend ist, übernimmt der Wissenschaftsrat diese Rolle für die Auswahl der Exzellenzstandorte.
Für die Universitäten ist das Bewerbungsverfahren in der Exzellenzstrategie mit jahrelanger Vorbereitung verbunden. Da die Präsentation in englischer Sprache bei den Vor-Ort-Begehungen durch die Exzellenzkommission entscheidend sein kann, wird sie vorher minutiös geprobt und eingeübt. Es fließt enorme Energie in den Wettbewerb. Dass auch bei den Verlierern hinterher strategische Orientierung geschärft wurde, dürfte angesichts ausbleibender Fördergelder nur ein mäßiges Ergebnis sein.
