Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat die Bundesländer dazu aufgerufen, mehr in die Wasserinfrastruktur zu investieren, um den Folgen des Niedrigwassers zu begegnen. »Die Lage am Rhein und am Bodensee ist eine dramatische Belastung, nicht nur für die Natur, sondern auch für die Wirtschaft«, sagte Schneider dem Kölner Stadt-Anzeiger. Deutschland brauche einen anderen Umgang mit Wasser.
Die Verfügbarkeit von Wasser sei ein zentraler Faktor für Sicherheit und Wirtschaft, sagte Schneider. Die Bundesländer sollten seiner Ansicht nach die Mittel aus dem Sondervermögen zu einem guten Teil in die Wasserinfrastruktur investieren.
In den vergangenen Jahrhunderten habe die Wasserpolitik darin bestanden, Wasser möglichst schnell abzuleiten und nasse Flächen trockenzulegen, sagte Schneider. Heute sei die Aufgabe, Wasser so gut wie möglich in der Landschaft zu halten. »Wenn die Gebirge mit ihren Gletschern als Wasserlieferanten ausfallen, müssen die Flüsse, Auen, Wälder und Böden umso mehr zu Wasserspeichern werden«. Das bedeute zum Beispiel, »trockene Moore wiederzuvernässen, Flüssen mehr Raum zu geben und Wälder zu stabilen Mischwäldern umzubauen.« Auch die technische Wasserinfrastruktur müsse fit gemacht werden.
Bundesnetzagentur warnt vor Auswirkungen auf die Energieversorgung
Die Bundesnetzagentur warnte, die niedrigen Pegelstände können sich auch auf die Energieversorgung auswirken. »Durch die Niedrigwasserlage können Binnenschiffe gegenwärtig nur mit reduzierten Ladungskapazitäten die Kohlekraftwerke insbesondere in Süddeutschland beliefern«, sagte ein Sprecher der Behörde der Zeitung. Dies habe bisher aber keine Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Kraftwerke.
Im September sind an mehreren Orten am Rhein historische Tiefstände des Pegels gemessen worden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) rechnet wegen des diesjährigen Niedrigwassers im Rhein mit möglichen Wirtschaftsschäden in Milliardenhöhe.
Bei einer Sonderkonferenz am Montag in Berlin will Schneider mit EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall über Möglichkeiten eines neuen Umgangs mit Wasser sprechen. Teilnehmen werden Vertreter von Ländern, Unternehmen und Verbänden.
