In Äthiopien haben Regierungstruppen die Provinzhauptstadt Mek’ele der Region Tigray wieder eingenommen. Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Kräfte seien an mehreren Orten in Mek’ele beobachtet worden, hieß es aus Kreisen humanitärer Helfer gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatten Kämpfer und Anführer der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) die Stadt weitgehend verlassen.
Bereits am Morgen hatte ein örtlicher Journalist AFP berichtet, TPLF-Kämpfer und -Anführer verließen Mek’ele angesichts des Vorrückens der Regierungstruppen. Regierungsgebäude und Polizeiwachen seien ohne Sicherheitspersonal zurückgelassen worden. Bewohner äußerten demnach Sorge vor Plünderungen und Gesetzlosigkeit.
Wegen umfangreicher Störungen der Telekommunikationsnetze in Tigray waren Informationen aus Mek’ele nur schwer zu überprüfen. Das Büro des äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed äußerte sich zunächst nicht. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete über die Rückeroberung durch Regierungstruppen.
TPLF-Chef Debretsion Gebremichael kündigte einen Übergang zu einer Guerillataktik an. »Unsere Strategie ist es, den Feind dort zu treffen, wo wir wollen«, sagte er in einer Videobotschaft. Der Krieg sei »regional« und ein Krieg »um die Kontrolle über das Rote Meer«. Schon 2020 hatten Regierungstruppen Mek’ele eingenommen. Die TPLF zog sich damals in die Berge zurück, begann einen Guerillakampf und eroberte die Stadt Mitte 2021 zurück.
Bürgerkrieg endete 2022 mit einem Waffenstillstand
Die Kämpfe im Norden Äthiopiens waren vergangene Woche wieder aufgeflammt. TPLF-Kämpfer hatten mit einer Großoffensive gegen das Militär begonnen und bald darauf die Einnahme dreier Flughäfen in der Region gemeldet. Äthiopische Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Gruppen starteten rasch Gegenangriffe. Am Freitag hatten regierungsnahe Milizen eigenen Angaben zufolge den Flughafen von Mek’ele unter ihre Kontrolle gebracht.
Die neue Eskalation hat auch die Beziehungen Äthiopiens zu mehreren Nachbarstaaten schwer belastet. Der äthiopische Ministerpräsident Addis Abeba wirft Eritrea und Ägypten vor, die TPLF zu unterstützen. Am Donnerstag haben Äthiopien und Eritrea ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen.
Seit 2020 führten TPLF-Kämpfer und die äthiopische Zentralregierung einen Bürgerkrieg, der Ende 2022 mit einem Waffenstillstand endete. Die TPLF erkennt das Abkommen aber nicht mehr an. Sie hatte in Äthiopien fast 30 Jahre lang die Regierung gestellt. Ihre politische Vorrangstellung endete, als Abiy Ahmed 2018 Ministerpräsident wurde.
