
Victoria’s Secret hat Anfang September seinen ersten Laden in Deutschland eröffnet. Auf rund 800 Quadratmetern in Hamburg verkauft die amerikanische Dessousmarke neben Unterwäsche auch sogenannte Loungewear, Sportbekleidung und Körperpflegeprodukte. Für den Markteintritt und den Aufbau eines Filialnetzes in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Private Textiles Holding (PTH) Group aus Bischofswerda zuständig. Mit dem Unternehmen mit Hauptsitz in Ohio erweitert sie ihr Angebot um eine weitere internationale Marke.
Für Victoria’s Secret ist der Deutschlandstart Teil einer größeren Neuausrichtung. Nach internen Krisen, Managementwechseln und einer strategischen Wende arbeitet Vorstandschefin Hillary Super daran, die Marke wieder stärker zu positionieren. Sie hat die BH-Modelle und das Marketing des Unternehmens verbessert und zugleich neue Produkte zur auf junge Erwachsene ausgerichteten Marke Pink hinzugefügt.
Aktienkurs von Victoria’s-Secret steigt um 65 Prozent
Offenbar mit Erfolg: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Victoria’s Secret einen Umsatz von 7,1 bis 7,18 Milliarden Dollar, den höchsten seit sieben Jahren. Auch im dritten Quartal rechnet der Wäscheproduzent mit einem Umsatz von bis zu 1,6 Milliarden Dollar, dies liegt über den Analystenschätzungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 0,95 Dollar.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie von Victoria’s Secret knapp 65 Prozent zugelegt und damit mehr als fünfmal so stark wie der S&P 500 in diesem Zeitraum. Die 13 Analysten, die die Aktie beobachten, sind von den Aussichten nicht uneingeschränkt überzeugt: Laut dem Finanzinformationsdienstleister Bloomberg entfielen 46 Prozent der Empfehlungen auf „Kaufen“, fast 54 Prozent auf „Halten“. Dem zuletzt ausgewiesenen Kurs von 88 Dollar stand ein durchschnittliches Zwölf-Monats-Kursziel von 92,45 Dollar gegenüber. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie beträgt 28,1.
Der US-Finanzkonzern J.P. Morgan bewertet die Aktie als „overweight“ und bestätigt das Kursziel von 110 Dollar bis Dezember 2027. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet die Bank einen bereinigten Gewinn je Aktie von 5,91 Dollar. Aufwärtspotential wird bei den vergleichbaren Filialumsätzen gesehen: „Unsere Berechnungen deuten auf ein mögliches Wachstum von 13 Prozent hin“, schreibt Analyst Matthew R. Boss.
Analysten von Barclays optimistisch
UBS beurteilt die Aktie von Victoria’s Secret vorsichtiger: Die Schweizer Bank bewertet das Papier als „neutral“ und senkt ihr Kursziel von 95 auf 87 Dollar. UBS führt die Gewinnüberraschung der Marke vor allem auf geringere Ausgaben zurück. Unter Vorbehalt gesehen wird, dass die Ausgaben für Marketing und Markenaufbau den Gewinnanstieg bremsen könnten. Deshalb senkte UBS seine Gewinnprognosen je Aktie für die Geschäftsjahre 2026 bis 2028 trotz höherer Umsatzerwartungen. Die Analysten sehen zwar eine erfolgreiche Neuausrichtung der Marken und weiteres Wachstum, halten dies aber für weitgehend im Aktienkurs berücksichtigt: „Wir sehen nur begrenztes Aufwärtspotential“, schreiben die Analysten Mauricio Serna und Jay Sole.
Victoria’s Secret Show gibt es seit 2024 wieder
Victoria’s Secret wurde 1977 im US-Bundesstaat Ohio gegründet und vertreibt Unterwäsche, Nacht- und Bademode, Sportbekleidung sowie Düfte und Körperpflegeprodukte. Berühmt ist das Label auch für seine großen Modenschauen, die in den 2000ern zu einem Popkultur-Phänomen wurden. Die Auftritte der Models, auch „Angels“ genannt, gehörten zu den begehrtesten der Branche und sorgten global für Aufmerksamkeit. Supermodels wie Alessandra Ambrosio und Gisele Bündchen liefen über den Laufsteg, während Stars der Musikszene wie Justin Timberlake und Taylor Swift auftraten. Der Konzern prägte unter anderem ein Schönheitsideal für Frauen in dieser Zeit.
2018 stellte das Unternehmen die Show nach sinkenden Einschaltquoten und wachsender Kritik ein. In den folgenden Jahren bemühte es sich um ein inklusiveres Image und zeigte stärker unterschiedliche Körperformen, Hautfarben und Altersgruppen. Die von Frauen produzierte Rückkehr der Show im Jahr 2024 sollte diesen Wandel unterstreichen. Ob der Imagewandel trägt, bleibt offen. Zugleich verändert sich die Debatte über Schönheitsbilder weiterhin, auch durch die wachsende Aufmerksamkeit für Abnehmmedikamente und sehr schlanke Körperideale.
In Deutschland sind bis Ende 2026 offenbar noch zwei zusätzliche Standorte von Victoria’s Secret geplant. Wo diese entstehen werden, ist nicht bekannt. In den folgenden Jahren sollen weitere hinzukommen.
