Es ist schon lange her. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange. Die Ultimate Fighting Championship, kurz UFC, war in den Vereinigten Staaten schon ziemlich erfolgreich. Ein Kampfsport-Unternehmen, das ein paar Jahre zuvor noch dahindämmerte, war 2001 von Frank und Lorenzo Fertitta für eine Handvoll Dollar gekauft worden. Dana White, ein Freund der Brüder, hatte den Kauf eingefädelt. Er fungiert seither als Boss des Unternehmens und machte aus ihm ein großes Geschäft. Gekämpft wird in Käfigen. Anlagen, in denen man sonst Wildtiere hält.
Boxen, Treten, Bodenkampf: Alles ist erlaubt. Auch auf Gegner, die bereits am Boden liegen, darf mit Fäusten oder Ellbogen eingeschlagen werden. Ich sollte mir das anschauen. So saß ich in der berühmten Grand Garden Arena des MGM Grand Hotel in Las Vegas, wo schon einige der größten Kämpfe der Boxgeschichte stattgefunden hatten. Mike Tyson und Evander Holyfield ließen grüßen.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Ich saß in einer der ersten Reihen. Was ich sah, war fürchterlich. Mehrere Kämpfe nacheinander. Blut spritzte. Männer gingen zu Boden, und ihre Gegner gingen hinterher. Beim Boxen kommt dann der Ringrichter und zählt. Hier wurde weiter geschlagen, weiter getreten, mit Faust, Ellbogen, mit dem Knie. Ein Inferno aus Brutalität, Gewaltverherrlichung und fanatischem Gebrüll von den Rängen.

Es war nicht genau zu sagen, was verstörender war: die Kämpfe oder das Publikum, das zu 95 Prozent aus weißen tätowierten Männern bestand. Dass sie keine MAGA-Kappen aufhatten, lag wohl daran, dass ein amerikanischer Präsident namens Donald Trump noch undenkbar schien und es Dana White in erster Linie darauf ankam, die UFC wieder groß zu machen und noch nicht das ganze Land.
Milliardenschwere Horror-Show im Garten des Weißen Hauses
Wie er später mit Geldspenden in Millionenhöhe in den engeren Zirkel von Trump aufstieg und im Frühjahr dieses Jahres zu dessen 80. Geburtstag mit seiner mittlerweile milliardenschweren Horror-Show im Garten des Weißen Hauses gastieren durfte, ist die Fortsetzung einer Geschichte, an die damals auch im Albtraum niemand denken konnte.
Ich allerdings fragte mich seinerzeit schon: Was passiert, wenn die UFC und ihr Programm Mixed Martial Arts einst das Regime übernehmen? Schon das Wort „Arts“ in diesem Zusammenhang kam mir vor wie Hohn. Und es gab tatsächlich Leute, die MMA als „Schach des Kampfsports“ bezeichneten (und das bis heute tun). Kann man das königliche Spiel schwerer beleidigen? Was sollte aus unserem Sport werden?
An Stumpfheit kaum zu übertreffen
Die Antwort gab es am vergangenen Wochenende im Frankfurter Fußballstadion. Die UFC brauchte dafür nicht mal selbst nach Deutschland zu kommen. Das Spektakel veranstaltete OKTAGON, ein tschechisch-slowakisches Unternehmen, das MMA-Kämpfe vermarktet.
Knapp 60.000 Menschen jubelten dem deutschen MMA-Kämpfer Christian Eckerlin zu, als sei er der Messias. Ist er aber nicht. Er ist 39 Jahre alt, Mitglied der Hells Angels und betreibt im Frankfurter Bahnhofsviertel ein Bordell. Seinem Status als Idol tut das keinen Abbruch. RTL überträgt seine Auftritte.
Eckerlins Kampf gegen David Kozma war an Stumpfheit kaum zu übertreffen. Man schlug eine Minute so gut es ging auf den anderen ein. Dann hatte der Tscheche Eckerlin am Boden, und kurz vor Rundenende schnürte er ihm mit einem Würgegriff die Luft ab. Da klopfte Eckerlin zum Zeichen der Aufgabe ab, worauf der Käfigwächter den Kampf beendete, ehe der Bordellbetreiber das Bewusstsein oder mehr verlor.
