Aus der „Agonie“ soll eine neue, grüne Bewegung im Sport der Stadt werden. Das fordert Frank Fechner, der Vorsitzende des großen und einflussreichen Breitensportklubs Eimsbütteler Turnverband (ETV) mit knapp 22.000 Mitgliedern. Hamburg solle sich für die Klimaneutralität des gesamten städtischen Sportbetriebs starkmachen und dadurch zu einem Vorbild für Deutschland werden.
Nun ist das Wort Agonie, Todeskampf, eine allzu düstere Prophezeiung für das, was den Spitzensport erwartet. Doch haben die Vertreter der Bewegung hinter der Bewerbung um Innensenator Andy Grote (SPD) seitdem vernehmlich zum Spitzensport geschwiegen. Zu deutlich war der Denkzettel der dritten gescheiterten Kandidatur nach 2003 (Niederlage gegen Leipzig) und 2015 (gescheitertes Referendum). Man brauche nach der doppelten Blamage nun nie wieder beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anzuklopfen. Die sportpolitische Zielsetzung sei für die nächsten zehn Jahre verfehlt. Das war von führenden Sportpolitikern zu hören.
Bis 2035 Metropole des klimaneutralen Sports?
Der Wille scheint erloschen, bei den internationalen Fachverbänden um eine Leichtathletik-Europameisterschaft oder eine Schwimm-Weltmeisterschaft nachzufragen. Ein Turn-Weltcup vielleicht? Nein. Netzwerk- oder Lobbyarbeit hatte es ohnehin nur spärlich gegeben. Zumal das Olympiastadion, das vom Hamburger SV als neues Volksparkstadion weitergenutzt werden sollte, nun nicht gebaut wird. Was auch den HSV zum Verlierer stempelt.
In Hamburg hat man ehrgeizigen Zielen mit Heidi Kabel „tschü-hüss“ gesagt und bleibt lieber beim Bekannten: Tennis, Hockey, Marathon, Triathlon, Radsport und Reitsport. Die selbst ernannte Active City wird in ihrem üblichen Trott weitermachen.
In diese Lücke stößt nun Frank Fechner. Er ruft – zunächst in einem Gastbeitrag für das „Hamburger Abendblatt“ – das Ziel aus, Hamburg bis 2035 zur Metropole des klimaneutralen Sports zu machen. Photovoltaikanlagen auf Sporthallendächern, Erdwärme unter Fußball-, Hockey- und Tennisplätzen, LED-Licht für Sporthallen. Schließlich beanspruche der Sport große Flächen in der Stadt – er solle sie so schnell wie möglich nachhaltig und klimaneutral betreiben. Zum klimaneutralen Sportbetrieb würde auch gehören, sich vom erlernten Spieltag am Wochenende zu lösen und stattdessen mehr Turniere auszutragen. Und: klimaneutrales Kühlen in Hitzesommern.
Der verstärkte Fokus auf Amateursport ist eine Lehre: Sportförderung soll es nach Wunsch der Hamburgerinnen und Hamburger und aller Parteien nämlich weiterhin geben. Aber bitte vorrangig für den Breitensport in Verein und Schule. Nicht für vermeintliche Prestigeprojekte der Eliten.

Diese hatten die Rechnung aus Sicht der Ablehnenden ohne die Menschen gemacht. Die stimmten Ende Mai weniger gegen Olympische Spiele, sondern gegen Großveranstaltungen mit ungewissen Kosten. Gegen Einschränkungen des Alltags durch jahrelange Baustellen. Dabei war ein Riss durch die Stadt gegangen – die wohlhabenderen Quartiere hatten für „Olympia“ gestimmt, die Menschen in den ärmeren Bezirken dagegen.
Erste Millionen Euro aus der „Sportmilliarde“ da
Die Olympiaprojektgruppe mit ihren 20 Angestellten ist zum 1. September abgewickelt. Sie hatte den öffentlichen Auftritt der Bewerbung samt Dialogforen und Onlinebeteiligung koordiniert. Was vom Thema übrig bleibt, sind Arbeit und Planung an bestehenden und fehlenden Sportstätten. Und das ist einiges: Im Großen und Ganzen untergehen sollte dabei nicht der, bezogen auf Viertel und Bezirke, deutliche Zuwachs an Kunstrasenplätzen, Bewegungszonen, kleineren Stadien und Cricketfeldern – ein Hamburger Boomsport, übrigens, wie auch Rugby und American Football.
War es in der Phase vor und nach der vorletzten Abstimmungsniederlage etwa eine Milliarde Euro, die zwischen 2011 und 2020 in die Sportinfrastruktur floss, sollen es für diese Dekade sogar zwei Milliarden sein. Gebaut werde alles, was geplant war, verspricht die Behörde. Nur langsamer. Weil der Olympiaturbo fehlt.
Erste Millionen Euro aus der „Sportmilliarde“ des Bundes sind zusätzlich schon da und sollen unter anderem in die Sanierung der Sporthalle fließen. Sie ist die einzig taugliche Großsporthalle neben der Barclays Arena im Volkspark. 2028 ist Baubeginn. Sieben Millionen Euro dienen auch der energetischen Erneuerung. 2030 soll endlich das „Amateurstadion Hamburg“ auf dem ehemaligen Thyssenkrupp-Areal in Altona stehen – das wird mit 5000 Plätzen immerhin regionalligatauglich sein. Im Jahr 2030 etwa wird auch der Elbdome von einem privaten Investor gebaut worden sein, hoffen die Basketballer der Towers und die Handballer des HC Hamburg.
Von der Politik aufgenommen und umgesetzt, könnten Fechners Ideen in all diese Bauvorhaben Einzug halten. Sie passen perfekt zu einem anderen Abstimmungsergebnis, das die Menschen der Stadt eingebrockt haben: Mit dem „Zukunftsentscheid“ (ein Volksentscheid, also „von unten“) haben sie die Messlatte im Oktober 2025 höher gelegt, als es das politische Establishment empfahl. 53 Prozent der Abstimmenden wollten Klimaneutralität für Hamburg schon 2040 erreichen. Nicht erst 2045.
Anders als der schöne Plan vom klimaneutralen Sport ist dies rechtlich bindend – und hat schon manche Fahrradspur entstehen lassen.
