
Die Rhein-Main Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Mainz dürfen sich vom 1. Januar 2027 an als Exzellenzuniversitäten bezeichnen. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Runde der Exzellenzstrategie, dem von Bund und Ländern initiierten Wettbewerb, mit dem Spitzenforschung an Universitäten gefördert werden soll. Erfolglos blieb dagegen die gemeinsame Bewerbung der Universitäten Gießen und Marburg um den Exzellenztitel. Am Freitagnachmittag hatten der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Bonn bekannt gegeben, welche Universitäten und Hochschulverbünde künftig das Exzellenz-Prädikat führen dürfen.
Mit der Auszeichnung ist eine hohe finanzielle Förderung verbunden. Wie die Wissenschaftsministerien von Hessen und Rheinland-Pfalz mitteilten, erhalten die Rhein-Main-Universitäten über einen Zeitraum von sieben Jahren insgesamt bis zu 155 Millionen Euro. 75 Prozent dieser Summe kommen vom Bund, den Rest steuern die Bundesländer bei, in denen die finanzierten Unis ihren Sitz haben. Insgesamt werden in der neuen Auflage der Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ fünf Hochschulen respektive Hochschulverbünde finanziert; außer den Rhein-Main-Unis sind das die Universitäten Jena, Freiburg und Köln sowie das „Ruhr Innovation Lab“ der Universität Bochum und der TU Dortmund. Eingereicht worden waren elf Neuanträge.
Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) nannte den Wettbewerbserfolg „historisch“. Zum ersten Mal würden hessische Universitäten und zugleich ein hochschulübergreifender Verbund auf diese Weise ausgezeichnet. „Das ist gut für das Rhein-Main-Gebiet und für Hessen.“ Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte, der Titel sei der Beleg für die hohe Qualität, die Innovationskraft und das strategische Geschick der hiesigen Forschungseinrichtungen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) wies darauf hin, dass von der Exzellenzförderung nicht nur Forschung und akademischer Nachwuchs profitierten, sondern auch das Land als Innovations- und Wirtschaftsstandort.
Verlierer Marburg und Gießen sollen weiter gefördert werden
Den Universitäten Gießen und Marburg, der sich mit ihrem Antrag trotz „sehr hoher Qualität“ nicht hätten durchsetzen können, sicherte Gremmels seine „weitere Unterstützung“ zu. Der mittelhessische Uni-Verbund sei ein „Zentrum der internationalen Spitzenforschung“ und ein „Innovationsmotor für Hessen“.
Die Ministerien heben hervor, dass die Wettbewerbsgutachter die länderübergreifende Zusammenarbeit der drei Universitäten als beispielhaft für ganz Deutschland gewürdigt hätten. Das Auswahlverfahren sei „wissenschaftsgeleitet“ gewesen. Länder- oder Regionalproporz hätten demnach keine Rolle gespielt. Die Entscheidung, welche Unis gefördert werden, traf eine Kommission mit 39 internationalen Wissenschaftlern sowie den Wissenschaftsministern von Bund und Ländern.
Schon vor ihrer gemeinsamen Bewerbung hatten die Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Mainz eine strategische Allianz gebildet. Zusammen bringen sie es auf mehr als 90.000 Studenten und 1500 Professuren. In den vier Profilbereichen „Daten“, „Gesundheit“, „Materie“ und „Gesellschaft“ bündeln die Hochschulen ihre Kompetenz auf diesen Feldern und schaffen gemeinsame Studienangebote.
Der Antrag, mit dem die Rhein-Main-Universitäten nun erfolgreich waren, trägt den Titel „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“. Wie die Goethe-Uni mitteilt, wollen die Hochschulen bis zum Jahr 2033 drei miteinander verbundene strategische Ziele verfolgen: die Förderung „starker, synergetischer Disziplinen“, die Befähigung einer neuen Wissenschaftlergeneration, „essenziell zur Zukunft von Forschung und Gesellschaft“ beizutragen, und die „gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Transformation“. Die Allianz der Rhein-Main-Universitäten solle ein international führendes Zentrum für Spitzenforschung werden, das „wegweisende Antworten auf komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen entwickelt“.
Für den Wettbewerb um den Exzellenztitel hatten sich die Unis Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Marburg und Mainz im vergangenen Jahr qualifiziert, nachdem ihnen insgesamt sieben Spitzenforschungsverbünde, sogenannte Exzellenzcluster, bewilligt worden waren. Darin befassen sich Wissenschaftler mit Teilchenphysik, Künstlicher Intelligenz, Herz-Lungen-Krankheiten, Wahrnehmungspsychologie, Zellbiologie, klimawirksamen Mikroorganismen und neuen Formen der Energiespeicherung.
