
Am Mittwochabend hat Jonas Urbig in der Arena in München vorgeführt, was von einem Torhüter erwartet wird: Parade um Parade um Parade. Doch weil Urbig nicht auf dem Feld stand, sondern im Pressesaal saß, musste er nicht mit seinen Händen und auch nicht mit seinen Füßen parieren, sondern mit seinen Worten.
Er lebe „im Hier und Jetzt“ – mit dieser Formulierung hat Urbig die Fragen zur Zukunft abgewehrt. Dabei weiß auch er, dass alles, was der neue Fußball-Bundestrainer Jürgen Klopp in diesen Tagen macht, dazu dient, dass die Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2028 wieder eine große Nummer sein kann. Und weil Manuel Neuer nun wirklich weg ist (oder? ODER?), braucht diese Mannschaft eine neue Nummer eins.
Im Hier und Jetzt ist Jonas Urbig, 23 Jahre alt, kein neuer Neuer, das wird er sehr wahrscheinlich auch nicht mehr werden, aber er ist einer, dem man zutraut, sowohl im Verein als auch im Verband, Neuers Nachfolger zu werden. Er hat seit seinem Wechsel im Januar 2025 immerhin 34 Spiele für den FC Bayern München gemacht.
Und er wird an diesem Donnerstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und im ZDF) gegen Serbien sein erstes Spiel für die Nationalmannschaft machen. Darauf habe er, wie er sagte, sein „ganzes Leben hingearbeitet“. Und auch wenn es für ihn ein großer Moment ist, wird zu sehen sein, ob er ein Torhüter für die großen Momente sein kann.
In seinen ersten anderthalb Saisons beim FC Bayern hat Urbig meistens gut, manchmal sogar sehr gut gespielt, was deswegen bemerkenswert ist, weil er eben nicht jede Woche spielen darf. Ein Umstand, den der frühere DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke gerade im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ hervorgehoben hat.
Fürs Erste ist Marc-André ter Stegen die Nummer eins
„Das ist“, sagte er, „schon eine Kunst, gerade für einen so jungen Torwart, der eigentlich Spielpraxis braucht, um sich zu entwickeln. Wenn Manu mal pausieren musste, war das kein so großes Problem. Ich wusste, er braucht nicht viel, sein Spiel ist gefestigt und sofort wieder da. Aber dass Urbig nach all diesen Pausen immer so auftritt, als hätte es die Pausen gar nicht gegeben, finde ich bemerkenswert. Ich traue ihm eine große Zukunft zu.“
Da ist es wieder, das Z-Wort. In der Gegenwart hat sich Jürgen Klopp fürs Erste auf Marc-André ter Stegen als ersten Torhüter festgelegt. Doch wenn Urbig nach dieser Saison wirklich die Nummer eins beim FC Bayern sein sollte (Manuel Neuer hat noch nicht gesagt, dass er im Sommer aufhört), wäre das noch mal eine ganz andere Nummer.
Am Mittwoch ist Urbig auch darauf angesprochen worden, wie sich sein Torwartspiel verändert habe, seit er beim FC Bayern spielt. Er hat erzählt, dass er den Fokus mehr auf die „mentale Herausforderung“ gelegt habe, darauf, dass es den ersten Schuss aufs Tor in einem Spiel in der 89. Minute gebe. Die Zukunft im deutschen Tor ist so offen, wie sie schon sehr lange nicht mehr war, aber im Hier und Jetzt scheint zumindest eines sicher: Den ersten Schuss aufs Tor wird es am Donnerstagabend nicht erst in der 89. Minute geben.
