
Es gibt Geschenke, sagte Stadträtin Isabelle Hemsley (CDU), „die man sich nicht in den Schrank stellen kann“: Am Mittwoch ist nach 23 Jahren Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) mit der Hanauer Spielart eines Großen Zapfenstreichs in den Ruhestand verabschiedet worden. Auf dem Marktplatz sammelten sich die Vertreter der sogenannten Blaulichtfamilie von Feuerwehr und Rettungsdiensten sowie Musiker der örtlichen Orchester, um dem scheidenden Verwaltungschef die Ehre zu erweisen.
Passend zum Anlass wurde der Sozialdemokrat, der zuvor nicht über diesen Abschied informiert worden war, mit einem Feuerwehrauto in seinem Haus im Stadtteil Großauheim abgeholt und zum Marktplatz gebracht, auf dem er von den Rettungsdiensten und hunderten von Zuschauern empfangen wurde. Ein Abend der Würdigung für einen Kommunalpolitiker, der mit dem Umbau der Innenstadt und der Konversion des einstmals größten europäischen Standorts der US Army die Stadt geprägt hat. „Danke für alles“ – selbst die Busse der Hanauer Straßenbahn grüßten auf ihren Anzeigen den dienstältesten hessischen Oberbürgermeister. Passen dazu auch die Musikauswahl, unter anderem „My Way“, das Frank Sinatra weltberühmt gemacht hat, und das die Arbeit Kaminskys treffend beschreibt.
Abschied mit Ansage
1995 wählten die Hanauer Stadtverordneten den vormaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden zum Bürgermeister und Kämmerer, 2003 setzte sich Kaminsky dann bei der Direktwahl des Oberbürgermeisters durch, wie bei seinen drei Wiederwahlen gelang ihm das jeweils in der ersten Runde der Abstimmung. Eigentlich wollte er schon 2020 seinen Abschied nehmen und nicht mehr antreten, blieb dann aber nach dem Attentat vom 19. Februar im Amt. Ein damals 43 Jahre alter Mann hatte neun Menschen mit Migrationshintergrund, dann seine Mutter und schließlich sich selbst erschossen.
Eigentlich hätte Kaminskys Wahlzeit noch bis ins nächste Jahr gereicht, aber er nutzt eine vergleichsweise neue Regelung der hessischen Gemeindeordnung, die dem 66 Jahre alten Politiker einen vorzeitigen Ruhestand ermöglicht. Den Termin hat Kaminsky so gewählt, dass nach den Kommunalwahlen im März und dem Sieg seines Nachfolgers Maximilian Bieri (SPD) genug Zeit für einen geordneten Übergang geblieben ist.
