Man hätte ihn gerne gefragt, was er darüber denkt, was sich vergangene Woche in Bern zugetragen hat. Vermutlich hätte er mit einer kernigen Beschimpfung geantwortet und die Schweiz, die Banker, den Kapitalismus verflucht.
Doch im Jahr, als die Politik die Macht der Schweizer Großbanken gebrochen hat, ist auch ihr weltweit bekanntester und lautester Kritiker gestorben: Jean Ziegler.
Gegen den massiven Widerstand der UBS hat der Ständerat Ende September entschieden, die Bank müsse ihr Eigenkapital massiv erhöhen, um für künftige Krisen gewappnet zu sein. Sie soll ihre ausländischen Tochtergesellschaften mit 90 Prozent statt wie bisher 45 Prozent hartem Kernkapital unterlegen. Die Debatte war unglaublich technisch, aber die Botschaft war klar: Die Schweiz will nicht noch einmal eine Bank mit Milliardenkrediten und gigantischen Staatsgarantien retten. Nach dem Crash der UBS 2008 und dem Kollaps der Credit Suisse 2023 hat man bis weit ins bürgerliche, dem Finanzplatz nahe Lager genug von den Kapriolen einer Branche, mit der sich das Land jahrzehntelang identifiziert hat – und an der sich linke Kritiker ebenso lang und intensiv abgearbeitet haben.
