Hitzewellen, Waldbrände und menschengemachte Emissionen haben allein in diesem Jahr bereits ein Drittel der Weltbevölkerung extrem hoher Ozonbelastung ausgesetzt. »Luftverschmutzung macht nicht an Grenzen halt: Sie kann tausende Kilometer zurücklegen, Kontinente und Ozeane überqueren und die Luftqualität weit entfernt von ihrer Quelle beeinträchtigen«, sagte die Leiterin des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, Laurence Rouil.
Auf globaler Ebene trugen Metropolen wie Mailand, Delhi, Kairo und Mexiko-Stadt die höchste Ozonbelastung. Besonders dramatisch war die Lage in Asien: Dort waren im Jahr 2026 rund 60 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise extrem hohen Ozonwerten ausgesetzt. In Europa litten etwa 17 Prozent der Menschen zeitweise unter hohen oder extrem hohen Ozonwerten. Allerdings leben 92 Prozent der europäischen Bevölkerung in Gebieten, die in den heißesten Monaten einen bestimmten WHO-Richtwert überschritten.
Neben der starken Ozonbelastung führten Rauchwolken aus Extrembränden in Nordamerika, Südeuropa und Südostasien sowie Staubströme dazu, dass die Atemluft von Milliarden Menschen sehr hohe Schadstoffwerte erreichte. Copernicus stützt sich auf Daten seines Atmosphärenüberwachungsdienstes CAMS (Copernicus Atmosphere Monitoring Service). Die Datenreihe der Analyse zu Ozon und zu Saharastaub reicht bis 15. September.
Südeuropa verzeichnete besonders hohe Werte
Ozon ist ein sogenannter sekundärer Schadstoff, der bei hohen Lufttemperaturen und starker Sonneneinstrahlung aus Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen in der Atmosphäre gebildet wird. In Bodennähe ist Ozon schädlich, weil es tief in die Atemwege eindringt und Husten, Augenbrennen oder Kurzatmigkeit verursachen kann. Besonders betroffen sind Menschen mit Asthma sowie Kinder und ältere Menschen. In der Stratosphäre hingegen ist die Ozonschicht wichtig, weil sie die UV-Strahlung der Sonne absorbiert.
Trotz erheblicher Verbesserungen in den vergangenen Jahrzehnten bleibe Ozon eine »besonders komplexe globale Herausforderung« , teilte Copernius mit. EU-weite Regelungen hätten die Emission mehrerer Luftschadstoffe begrenzen können, mit Ausnahme von Ozon. Gemäß der EU-Luftqualitätsrichtlinie sollte der Zielwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter an maximal 25 Tagen pro Jahr überschritten werden. Diesen Sommer verzeichnete vor allem Südeuropa an weit mehr als 30 Tagen deutliche Überschreitungen.
Die gesundheitlichen Folgen der weltweiten Luftverschmutzung sind gravierend. Gemessen an den Luftqualitätsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO leben 99 Prozent der Menschen auf der Welt an Orten, an denen Grenzwerte für Schadstoffe überschritten werden. Jährlich führe die Außenluftverschmutzung weltweit zu mehr als vier Millionen vorzeitigen Toten.
