Nach Berichten über eine dramatisch verschlechterte humanitäre Lage in der russisch besetzten Stadt Oleschky, ist es den ukrainischen Behörden offenbar gelungen, die Bewohner aus der Luft mit Lebensmitteln zu versorgen. In einem am Sonntag veröffentlichten Video ist zu sehen, wie Landwirtschaftsdrohnen nachts schwere Lebensmittelpakete abwerfen und Zivilisten diese am Morgen entgegennehmen.
Oleschky liegt nahe der südukrainischen Großstadt Cherson am Ufer des Flusses Dnipro. Cherson am nördlichen Flussufer wurde im Herbst 2022 von ukrainischen Truppen befreit. Oleschky am Südufer steht seit dem ersten Kriegstag und bis heute unter russischer Besatzung. Die meisten der zu Kriegsbeginn rund 24.000 Bewohner sind inzwischen geflohen, etwa 2.000 Menschen harren Schätzungen zufolge aber noch in Oleschky aus. Es sind Berichten zufolge überwiegend alte Menschen und deren Angehörige.
In den vergangenen Wochen hatte die ukrainische Regierung auf eine dramatische Verschlechterung der humanitären Lage dort aufmerksam gemacht. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha prangerte den Hunger in Oleschky an. Er schrieb in sozialen Medien, Zivilisten seien „gezwungen, sich von Gras und Unkraut zu ernähren, während Medikamente, sauberes Wasser, Strom und medizinische Versorgung zunehmend unerreichbar werden.“ Auch Kinder seien diesen Umständen ausgeliefert. Sybiha machte Russland für das Leid der Menschen verantwortlich und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, humanitäre Hilfe und die Evakuierung von Zivilisten zu ermöglichen.
Zuvor hatte auch der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty, seine Sorge über die humanitäre Lage zum Ausdruck gebracht und zu einem lokalen Waffenstillstand aufgerufen. Russland müsse Hilfslieferungen gewährleisten und die Evakuierung von Zivilisten erlauben.
Berichten zufolge sind die Zufahrtsstraßen nach Oleschky vermint. Zurückliegende Versuche, Bewohner zu evakuieren, scheiterten aufgrund von Beschuss. Ukrainischen Angaben zufolge wurden auch die Drohnen mit Lebensmittelpaketen beschossen. Moskau lehnt eine Rettungsaktion unter Beteiligung des Internationalen Roten Kreuzes offenbar weiterhin ab.
Aus Sicht der ukrainischen Militäradministration Chersons will Russland die Zivilisten aktiv an der Flucht hindern. Demnach dienen sie als Schutzschild für Armeepositionen der Besatzer. Die Unterstände russischer Drohnenpiloten befinden sich oft in Orten nahe am Flussufer. Von dort aus greifen sie sowohl die Stadt Cherson als auch die umliegenden Dörfer auf dem anderen Ufer mit First-Person-View-Drohnen an. Täglich werden dadurch Zivilisten verletzt, oft auch getötet. Die Angriffe dienen laut den Vereinten Nationen auch der Vertreibung der Zivilbevölkerung.
