Mit einem 2,5:1,5 gegen die Niederlande zogen die deutschen Großmeister in der Schlussrunde der Schacholympiade sowohl nach Mannschafts- als auch Brettpunkten mit den zweitplatzierten Indern gleich. Gut eine Stunde warteten Vincent Keymer und Co. danach auf die Feinwertung, die sich aus allen Ergebnissen der Gegnermannschaften ergab. Nach dieser Wertung mussten sie den Siegern der vorigen Schacholympiade aus Indien den Vortritt lassen. Bronze ist aber auch so das beste Ergebnis eines deutschen Teams seit dem EM-Sieg 2011.
Matchwinner war am zweiten Brett Matthias Blübaum, der nach eigener Aussage gegen den zuvor stärksten Niederländer Jorden van Foreest gar nichts Besonderes zu leisten brauchte. „Er hat heute grottenschlecht gespielt, jeder hat mal einen schlechten Tag“, sagte der Bielefelder. Wie Keymer am Spitzenbrett verlor er nur eine Partie und blieb insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Herausragend punkteten zwei Brüder aus Lübeck. Frederik Svane war in so guter Form, dass er in allen elf Runden aufgeboten wurde. Mit sechs Siegen und fünf Remis gewann der Zweiundzwanzigjährige den Preis für das beste Ergebnis am dritten Brett. Sein sieben Jahre älterer Bruder Rasmus Svane steuerte vier Siege und drei Remis bei.

In elf Runden gelangen neun Siege, darunter gegen die nominell stärkeren Amerikaner und Usbeken. Seinen schwächsten Tag erwischte das deutsche Team beim 1:3 gegen China. Gegen Indien schien ein knapper Sieg möglich. An drei der vier Partien zeichneten sich Punkteteilungen ab, während Weltmeister Gukesh das Risiko gegen Alexander Donchenko zu hoch trieb. Doch der Gießener Donchenko verrechnete sich, und das Match ging noch 1,5:2,5 verloren. Bundestrainer Jan Gustafsson resümierte: „Wir waren ein, zwei Züge davon entfernt, das Match zu gewinnen – dann wäre die Medaille vielleicht eine andere Farbe gewesen. Aber danach trotzdem die Moral zu zeigen und die nächsten beiden Matches zu gewinnen, das zeichnet die Mannschaft aus.“
Außer gegen Deutschland gewann Gastgeber Usbekistan sämtliche Wettkämpfe und siegte mit zwei Mannschaftspunkten Vorsprung. Alle aus dem Goldteam haben Verbindungen nach Deutschland. Als Mannschaftskapitän fungierte Usbekistans erster Weltklassespieler Rustam Kasimdschanow, der seit einem Vierteljahrhundert in der Nähe von Bonn wohnt, wo sich Nodirbek Abdusattorow oft zum Training oder zwischen Turnieren aufhält. Coach von Dschawochir Sindarow ist der Münchener Roman Vidonyak, bei dem auch Nodirbek Jakubbojew, Schamsiddin Wochidow und Muchiddin Madaminow schon zu Trainingslagern waren.
Bei den Frauen gewinnt China problemlos
Den Frauenwettbewerb hat China problemlos gewonnen, obwohl einige Spitzenspielerinnen fehlten. Zweiter wurde Kasachstan vor Indien. Die deutschen Frauen spielten anfangs vorne mit, sackten aber nach dem Ruhetag durch Niederlagen gegen Indien, Indonesien und Lettland noch weit ab.
Der internationale Schachverband FIDE hat am Samstag Timur Turlow zu seinem neuen Präsidenten gewählt. Der russische Banker mit kasachischem Pass setzte sich im zweiten Wahlgang gegen den Düsseldorfer Geschäftsmann Wadim Rosenstein mit 110:85 Stimmen durch. Der Hamburger Unternehmer Jan Henric Buettner hatte im ersten Wahlgang 20 Stimmen erzielt und war ausgeschieden.
