Außenminister Johann Wadephul hat die Vereinten Nationen zur Erstellung von Richtlinien zur sicheren und positiven Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) aufgefordert. »Die KI wartet nicht darauf, dass unsere Institutionen aufschließen. Unsere Institutionen müssen zur KI aufschließen«, sagte der Außenminister vor der UN-Vollversammlung in New York. »Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, sicherzustellen, dass diese Technologie der menschlichen Würde dient.«
Dies sei besonders dringlich, da diese Technologien bereits die Grundlagen der Gesellschaften verändern. Es müsse sichergestellt werden, dass der technologische Fortschritt von einem Rahmenwerk geleitet werde, »an dessen Gestaltung wir alle mitwirken«, sagte Wadephul, der für Deutschland in Vertretung von Bundeskanzler Friedrich Merz vor der Weltgemeinschaft sprach.
Der Außenminister skizzierte in der Rede eine Stoßrichtung, in die die internationale KI-Regulierung gehen könnte. Wadephul forderte etwa die Verpflichtung von KI-Anbietern, Modelle vor der Veröffentlichung zu testen und über schwerwiegende Sicherheitsmängel zu berichten. Diese Anforderungen sollten durch wirksame nationale und regionale Aufsicht flankiert werden. Die Industrie müsse außerdem ihren Teil beitragen und Verantwortung für die künftige Entwicklung der Technologie übernehmen.
Wadephul fordert tiefgreifende Reform der UN
Neben der Künstlichen Intelligenz sprach Wadephul auch die Situation in der Ukraine an. Er forderte die UN-Mitgliedsstaaten auf, Russland zu überzeugen, über ein Ende des Krieges zu verhandeln. »Der Tag, an dem Verhandlungen beginnen, wird ein guter Tag für die Vereinten Nationen sein«, sagte Wadephul. Am Rande der Generaldebatte traf sich Wadephuls mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Bei dem Gespräch forderte Wadephul Russland zur Deeskalation auf. Es war das erste bilaterale Treffen eines deutschen Regierungsmitglieds seit Kriegsbeginn 2022.
Wadephul wiederholte bei seiner Rede zugleich die Forderung nach tiefgreifenden Reformen der UN-Institutionen. Die Welt befinde sich in einer Spirale ständiger Eskalation, die UN steuerten inmitten dieser Lage durch stürmische Gewässer. Man stehe vor der Entscheidung, ob man zulassen wolle, dass das Boot, in dem wir alle sitzen, zu kentern drohe, oder ob man die Kräfte bündeln und es wieder auf Kurs bringen wolle. Gemeinsam könne man »den Aufbruch wagen und eine friedliche Zukunft für kommende Generationen gestalten«, forderte er.
