
Seitdem Johannes Winkel vor ein paar Jahren den Vorsitz der Jungen Union übernommen hat, prägte zweierlei sein Handeln: Er wollte den Party- und Pöstchen-Club junger Wahlhelfer in einen vorausdenkenden Machtfaktor künftiger Unionspolitik verwandeln. Und Winkel hatte natürlich auch für sich selbst etwas vor.
Inzwischen ist er dabei recht weit gekommen. Die JU hat in der Bundespartei und über die Junge Gruppe auch in der Bundestagsfraktion erheblichen Einfluss gewonnen. Den bekamen Bundeskanzler Friedrich Merz und die Altvorderen der Union erheblich zu spüren, als Winkel den Widerstand gegen eine einseitige Rentenreform mit organisierte, die den heute Älteren den Statuserhalt verspricht und den Jüngeren und Jungen immer größere Lasten aufbürdet. Dass draus keine Blockade wurde, sondern ein politischer Prozess, brachte Winkel und seinen Mitstreitern wachsendes Ansehen.
Mit klar konservativem Profil hat es der junge Jurist schnell geschafft, sich Gehör zu verschaffen, zugleich aber seine berufliche Tätigkeit in einer größeren Anwaltskanzlei zunächst nicht ruhen lassen, der Unabhängigkeit wegen. Winkel ist im Siegerland aufgewachsen, wo seine Mutter als Krankenschwester, sein Vater als Angestellter arbeiten. Der CDU-Politiker, der sich auch in der katholischen Kirche engagiert, studierte in München, Sankt Gallen und Bonn Rechtswissenschaften. Kurz vor seiner Amtsübernahme in der JU im Herbst 2022 absolvierte er das zweite Staatsexamen.
Herausragend sachlich, erschreckend erwachsen
Seinen Wahlkreis in Düsseldorf gewann er im vorigen Jahr auf Anhieb direkt. Winkel befürwortet die Wiedereinführung einer allgemeinen Wehrpflicht, hält Israel die Treue und profilierte sich im Wahlkampf 2025 als Gegner einer schwarz-grünen Koalition. Verglichen mit seiner radikalisierten damaligen Amtskollegin von der Grünen Jugend, wirkte der herausragend sachliche Winkel zwar erschreckend erwachsen, schaffte es aber, anders als Jette Nietzard, Anliegen seiner Generation ins Parteigeschehen einzubringen.
Dass die Union diese Politikergeneration dringend braucht, wenn sie die Zukunft gewinnen und politisch überleben will, zeigt auch der rasche Aufstieg Winkels in der Fraktion. Dort wurde der Abgeordnete in dieser Woche zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Er folgt mit den Kernzuständigkeiten für Arbeit und Soziales dem Ex-Generalsekretär Carsten Linnemann, der sowohl sein Parteiamt als auch seine Stellung in der Fraktion aufgeben hatte, um Gesundheitsminister zu werden.
In den kommenden Monaten wird es für Winkel auch einen Abschied geben, denn mit dann 35 Jahren überschreitet er die Altersgrenze für die Parteijugend der Union. Doch längst hat er sich als eigenständiger Kopf in der CDU/CSU-Fraktion Ansehen erarbeitet. Wenn mit der Union in Zukunft noch zu rechnen ist, wird auch mit Winkel zu rechnen sein.
