
Neuordnung bei der Fluggesellschaft Condor. Der Finanzinvestor Attestor, der 51 Prozent kontrolliert, greift nach den übrigen Anteilen. Wie Condor am Freitag mitteilte, übt Attestor eine beim Einsteig 2021 vereinbarte Option aus, die noch bis zum Monatsende bestanden hätte. Bis die Transaktion abgeschlossen ist, wird aber noch Zeit vergehen. Condor soll zum 31. August 2027 vollständig in die Hände von Attestor gelangen.
Alleineigner einer deutschen Airline zu werden, dürfte nicht das Ziel des Finanzinvestors gewesen sein. Attestor hatte schon nach einem Partner, idealerweise ein anderer Flugkonzern, gesucht – in der Hoffnung, dass Condor eines Tages komplett dort landet. Doch dieser Partner wurde noch nicht gefunden. Durch den Nahostkonflikt mit steigenden Kerosinpreisen ist die Lage für die Luftfahrt insgesamt herausfordernd. Condor muss in den kommenden beiden Jahren je 100 Millionen Euro Kosten einsparen – auch beim Personal. Dazu kommt, dass Condor noch in einem Umbau steckt. Die weitere Partnersuche ist bloß aufgeschoben.
Attestor hatte zum Einstieg 200 Millionen Euro Eigenkapital mitgebracht. Und der Investor ermöglichte Finanzierungen für einen Komplettersatz der in die Jahre gekommenen Condor-Flotte durch verbrauchsärmere und im Betrieb günstigere Flugzeuge. Für das Langstreckengeschäft ist der Tausch abgeschlossen, für Mittelstreckenjets läuft er. Zugleich wandelt sich Condor vom reinen Ferienflieger zu einem Netzwerkanbieter mit Umsteigedrehkreuz in Frankfurt – wie Lufthansa, nur kleiner.
Condor durchflog mehrere Krisen
Dieser Wandel ist herausfordernd: Urlauberstrecken mussten gekürzt werden, um Flugzeuge für neue Zubringer von Berlin, Wien, Mailand oder Zürich nach Frankfurt freizubekommen, wo Passagiere auf eine wachsende Zahl von Condor-Fernflügen umsteigen sollen. Neue Strecken bescheren mitunter Anlaufverluste. Condor blieb aber kaum eine Wahl, Lufthansa hatte einen lange bestehenden Vertrag gekündigt, der Condor günstige Konditionen für eigene Passagiere einräumte, die Lufthansa nach Frankfurt brachte.
Attestor übernimmt den Condor-Anteil, den noch eine Zweckgesellschaft hält. Dahinter steht die SG Luftfahrtgesellschaft, eine Frankfurter Anwaltskanzlei, die diesen Anteil treuhänderisch verwaltet – als eine Art Pfand für Hilfsdarlehen der staatlichen KfW-Bank. Diese Hilfen über insgesamt 550 Millionen Euro hatte Condor nach dem Aus des einstigen Mutterkonzerns Thomas Cook 2019 sowie in der Corona-Krise 2020 erhalten, als ein Verkauf an die polnische Airline LOT platzte.
Eine Tranche tilgte Condor im Frühjahr. Die zweite Tranche wird durch den Kaufpreis und einen zu ermittelnden Aufschlag von Attestor bedient. Mit diesem Konstrukt wollte die öffentliche Hand, die auf Teilforderungen verzichtet hatte, sicherstellen, dass eine positive Wertentwicklung von Condor nicht nur Attestor zugutekommt, sondern idealerweise der einstige Verzicht mehr als ausglichen wird. Die Zahlungssumme wird auf Basis der Condor-Zahlen für das Geschäftsjahr bis zum 30. September erst ermittelt. Im vergangenen Jahr flog Condor operativ profitabel, unterm Strich blieb – auch wegen Zinsen für Finanzhilfen von Attestor – ein Verlust von 110 Millionen Euro.
