
Als die Soldaten einer Spezialeinheit der US-Armee in die Residenz des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro in Caracas eindrangen, stellten sich ihnen mehrere Kubaner entgegen. Vom minutiös geplanten Angriff überrumpelt, hatten sie ebenso wenig eine Chance wie ihre Landsleute, die sich in den bombardierten Militäreinrichtungen befanden. Insgesamt 32 kubanische Sicherheitskräfte wurden beim Angriff in der Nacht auf Samstag getötet. Die Männer starben nicht zufällig auf venezolanischem Boden. Sie waren Teil eines Systems, das über Jahre darauf ausgelegt war, Maduros Macht gegen innere und äußere Bedrohungen abzusichern.
Dass Rubios Aussage nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt allein die Anzahl der kubanischen Sicherheitskräfte, die in Maduros Residenz oder in anderen venezolanischen Militäranlagen getötet wurden. Die Venezolaner dürfte das jedoch wenig überrascht haben.
Kuba half Venezuela, die innere Kontrolle in der Armee zu gewinnen
Die Einbindung von kubanischem Militär- und Geheimdienstpersonal in den venezolanischen Sicherheitsapparat begann schon unter dem früheren Präsidenten Hugo Chávez, der eine enge Beziehung zum Castro-Regime in Kuba pflegte. Entscheidend war der Putschversuch im Jahr 2002. Chávez zog daraus die Lehre, dass die formale Kontrolle über die Armee nicht ausreicht. Kuba hatte damit Erfahrung und half dem venezolanischen Präsidenten, die Geheimdienste neu auszurichten, eine innere Kontrolle in der Armee und in der Verwaltung zu etablieren und potenzielle Abweichler zu identifizieren.
Die Zusammenarbeit vertiefte sich 2008, nachdem Chávez ein Referendum verloren hatte, das ihm die unbegrenzte Wiederwahl sichern sollte. Die beiden Regierungen unterzeichneten Abkommen, die es den kubanischen Streitkräften erlaubten, Soldaten in Venezuela auszubilden, Teile des venezolanischen Militärs zu überwachen und umzustrukturieren und venezolanische Geheimdienstagenten in Havanna auszubilden. Zentrale Positionen wurden mit Kubanern besetzt, die als zuverlässig und loyal galten, ohne Verflechtungen im venezolanischen Machtgefüge.
Die Geheimdienste fokussierten sich zusehends auf die Überwachung der eigenen Soldaten, Offiziere und sogar hochrangigen Kommandanten des Landes. Die „Generaldirektion für militärische Spionageabwehr“ wurde zu einer Kommandotruppe, der Folter, Entführung und Mord vorgeworfen werden.
Ohne Rückhalt und politische Legitimität blieb Maduro nur ein Machtmittel
Maduro, der in jungen Jahren in Kuba politisch geschult wurde und als Außenminister von Chávez enge Kontakte zu Havanna pflegte, war von diesem Kontroll- und Repressionsapparat noch abhängiger. Denn anders als Chávez war er selbst kein Militär und verfügte weder über Charisma noch über eine ausreichende Popularität in der Bevölkerung.
Die Militärabkommen mit Kuba waren entscheidend für Maduros Machterhalt an der Spitze eines Landes, das unter seiner Regierung in eine tiefe wirtschaftliche, politische und humanitäre Krise geriet. Ohne Rückhalt und politische Legitimität blieb Maduro nur ein Machtmittel: Kontrolle und Repression gegen alle Gegner – auch jene innerhalb seines Machtapparats.
Auch Havanna hatte am Machterhalt Maduros ein vitales Interesse. Denn der „Know-how-Transfer“ im Sicherheitsbereich sowie die Entsendung von kubanischen Ärzten und anderen Fachkräften waren Teil eines Tauschhandels. Über Jahre erhielt Kuba, das nach dem Ende der Sowjetunion in eine schwere Versorgungskrise gelangt war, venezolanisches Öl zu Vorzugsbedingungen. Durch den Einbruch des venezolanischen Erdölsektors und die US-Sanktionen sind die Liefermengen seit dem Höhepunkt der Kooperation zwar stark gesunken, doch bis zuletzt blieb Venezuela die wichtigste externe Energiequelle für Kuba.
Stromausfälle in Kuba
Nach Auswertung von Schiffs- und Handelsdaten exportierte Venezuela im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 25.000 bis 30.000 Fass Rohöl und Ölprodukte am Tag nach Kuba. Das entsprach je nach Monat etwa 30 bis 50 Prozent des kubanischen Importbedarfs. Diese Mengen sind für Kuba von zentraler Bedeutung. Die Stromproduktion des Landes hängt fast vollständig an öl- und dieselbetriebenen Kraftwerken, von denen viele veraltet sind. Schon geringe Lieferausfälle führen zu spürbaren Engpässen.
2024 und 2025 kam es wiederholt zu landesweiten Stromausfällen oder der bewussten Abschaltung von mehreren Stunden am Tag. Dazu beigetragen haben auch geringere Lieferungen aus Mexiko sowie das Ausbleiben von größeren Lieferungen aus Russland. Vor diesem Hintergrund sind der Sturz Maduros und die von Washington verhängte Ölblockade für Kuba ein Schock. Ohne venezolanisches Öl muss Kuba kurzfristig zusätzliche Mengen auf dem Weltmarkt beschaffen – zu Preisen, die das hoch verschuldete Land kaum zahlen kann.
Kuba hat alles getan, um das Regime in Caracas an der Macht zu halten. Denn ohne das Öl aus Venezuela verliert Havanna seine wichtigste materielle Stütze. Genau darauf setzt Washington. Energieknappheit wird zum politischen Hebel, wirtschaftliche Not zum Katalysator gesellschaftlichen Drucks. „Kuba sieht so aus, als wäre es bereit zu fallen“, sagte Trump am Montag gegenüber Reportern in der Air Force One. Lange hatte man das auch vom Maduro-Regime gedacht. Am Ende brauchte es eine weitgehende Militäroperation, um Maduro zu stürzen. Sein Regime ist bislang jedoch geblieben.
