Herr Dahlhaus, haben Sie sich schon bei der Bundeswehr bedankt, weil die Armee ihren Anspruch auf die früheren Ray Barracks in Friedberg angemeldet hat?
(lächelt) Wir stehen in einem guten Austausch mit der Bundeswehr. Unser primäres Ziel war, auf dem ehemaligen Kasernengelände ein Quartier mit Wohnungen für 5000 Menschen und mit Gewerbe zu entwickeln.
Das können Sie aber zumindest im geplanten Ausmaß vergessen, wenn die Bundeswehr das Gelände oder auch nur einen ordentlichen Teil davon in Beschlag nimmt.
Die Dinge sind so, wie sie sind. Der Bund hat entschieden, dass die Bundeswehr aufwachsen soll und dafür neue Standorte braucht. Wenn die Stadt Friedberg dazu einen Beitrag leisten soll, dann werden wir das natürlich auch tun. Allerdings gibt es noch keine endgültige Entscheidung.
Die nächstgelegenen Standorte, die von der Bundeswehr geprüft werden, sind Speyer und Soest. Der zentralste Standort in ganz Deutschland ist Friedberg.
Friedberg ist auf jeden Fall einer der wenigen infrage kommenden Standorte, der den Bedarf der Bundeswehr decken könnte. Das späte Handeln der Stadt bei der Konversion ist für die Bundeswehr positiv.
Rächt sich jetzt denn nicht die Saumseligkeit von Friedberg mit Blick auf die Frage, wie die ehemalige Elvis-Kaserne zivil genutzt werden könnte?
Die Stadt hat nach dem Abzug der Amerikaner im Jahre 2007 lange gezögert, ob sie den Erstzugriff wagen soll. Im Laufe der Jahre hat sie sich schließlich dagegen entschieden. Durch den offiziellen Beschluss in 2022 gegen einen Erstzugriff durch die Stadt konnte erst Ende 2023 das Vergabeverfahren für eine Konversion in Angriff genommen worden. Das lange Zuwarten vorher war nicht richtig.

Ich brauche mich darüber nicht zu ärgern, das wäre verlorene Energie. Wir sind nun mit Hochdruck dabei, die Interessen der Stadt und ihrer Bürger in dem laufenden Prozess geltend zu machen.
Angenommen, die Bundeswehr will die Hälfte des Kasernengeländes: Was bliebe von den Plänen für die „Green Barracks“ mit Flächen für Wohngebäude, Gewerbe, Kindergarten und Grünes noch übrig?
Wir sehen uns in den laufenden Gesprächen sehr berücksichtigt, das kann ich schon einmal sagen. Der endgültige Letter of Intent dazu ist gerade in Arbeit. Wenn wir einen Teil des Geländes bekommen könnten, bliebe noch genug Raum für Stadtentwicklung. Das würde den neuen Standort für die Feuerwehr und den Baubetriebshof einschließen. Und natürlich für bezahlbaren Wohnraum, das ist für uns das Allerwichtigste.
5000 Menschen sollten dort ursprünglich wohnen können. Wie viele könnten es denn tatsächlich werden? 1000 oder 2000?
Es ist viel zu früh, das zu sagen. Zumal die Bundeswehr ja, so sie auf das Kasernengelände zugreift, selbst Bedarf für Wohngebäude haben wird. Zudem will der Wetteraukreis auf dem Gelände eine neue Kreisverwaltung bauen.
Aber anders als die Stadt hat der Kreis schon Grundstücke dort gekauft. Spielt die Stadt deshalb die dritte Geige in den Gesprächen mit dem Bund?
Nein. Wir sehen uns derzeit auf Augenhöhe berücksichtigt und sind guter Dinge.
Landrat Jan Weckler kann der Aussicht auf eine Übernahme zumindest eines Teils des alten Kasernengeländes durch die Bundeswehr viel Positives abgewinnen. Können Sie als Bürgermeister das ebenfalls?
Käme die Bundeswehr, könnte das viele Vorteile für Friedberg haben. Da ist etwa die Kaufkraft der Organisation und der Soldaten zu nennen. Weitere Menschen beleben die Stadt – das war auch während der Präsenz der Amerikaner so. Von ihnen haben nicht nur Gastronomie und Handel profitiert. Eine Bundeswehr-Präsenz hätte voraussichtlich zwar nicht die Dimension, für die seinerzeit die US-Armee hier stand.
Neue Wohnungen sind das Allerwichtigste, wie Sie sagen. Nun braucht aber Friedberg auch weitere Gewerbeflächen.
Wir hatten mit 25 bis 30 Prozent Gewerbe in den Ray Barracks gerechnet. Es gibt darüber hinaus noch weitere Flächen, über die wir nachdenken, zum Beispiel im Süden der Stadt.
In der Nähe von Fresenius Kabi?
Südlich davon. Da gibt es noch eine größere Fläche, allerdings diskutieren wir noch unter anderem über das Ausmaß der Versiegelung. Aber dieses Gelände könnten wir im Flächennutzungsplan entsprechend vorsehen. Zusätzlich reden wir über Nachverdichtung an der einen oder anderen Stelle.
Welche Art von Gewerbe wollen Sie denn nach Friedberg locken?
Wir wollen jedenfalls kein Gewerbe haben, das große Flächen braucht, Infrastruktur belastet, aber nur wenige Arbeitsplätze bietet und kaum Steuern zahlt. Das gilt meist für Logistikunternehmen.
Dazu möchte ich noch gar nichts sagen. Vielleicht brauchen wir eines Tages am Ort ein Rechenzentrum. Dessen ungeachtet möchten sich schon in Friedberg ansässige Betriebe weiterentwickeln und könnten ihren Standort für andere Firmen freimachen. Es gibt jedenfalls einen hohen Bedarf. Da ist die Lage von Friedberg von Vorteil.
Bis wann erwarten Sie die endgültige Entscheidung der Bundeswehr?
Definitiv in diesem Jahr. Wie gesagt, arbeiten wir gerade mit Bund, Land und Kreis am Letter of Intent. Eine Nachricht dazu sollte es in den nächsten Wochen geben.
