
Abgeordnetenhauswahl Berlin 2026
So hat Berlin gewählt
Zuletzt aktualisiert 21.09.2026, 14:52 Uhr
In Berlin hat die Linke überraschend deutlich gewonnen. Die Regierungsbildung wird trotzdem nicht trivial. Ergebnisse, Koalitionsoptionen und andere Erkenntnisse im Überblick.
Seit 2023 regiert in Berlin eine Koalition aus CDU und SPD. Grüne, Linke und AfD bilden die Opposition im Abgeordnetenhaus. Schon vor der Wahl galt es als ausgemacht, dass zunächst Linkspartei, Grüne und SPD miteinander sondieren würden, ob sie sich auf eine Koalition verständigen können. Sie teilen das Interesse, die CDU wieder aus dem Roten Rathaus zu verdrängen – und sie hätten durch das starke Abschneiden der Linkspartei wohl eine recht komfortable Mehrheit.
Andererseits gilt der Plan von Linken und Grünen, private Wohnungsbaugesellschaften zu enteignen, als Hindernis, denn die SPD ist strikt dagegen. Allerdings sind die Sozialdemokraten nur noch auf Platz fünf in der Wählergunst, das schwächt ihre Position. In dieser Lage eine Koalition mit der zweitplatzierten CDU einzugehen, dürfte weder für die Sozialdemokraten noch für die Grünen attraktiv sein. Eine Mehrheit hätten die drei Parteien aber. Ein Bündnis mit der AfD hat die CDU ausgeschlossen. Das BSW hat den Einzug ins Abgeordnetenhaus knapp verpasst.
In jedem der 78 Wahlkreise wurde ein Direktkandidat in das Abgeordnetenhaus gewählt. Die Sitzverteilung dort ergibt sich jedoch aus den Zweitstimmen. Dadurch entstehen oft Überhangmandate, die wiederum ausgeglichen werden. Regulär gibt es 130 Abgeordnete, in der zu Ende gehenden Legislaturperiode sind es 159.
2021 fand die Wahl zum Abgeordnetenhaus gleichzeitig mit der Bundestagswahl statt, und es herrschte Chaos. Stimmzettel fehlten oder wurden vertauscht, vor manchen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen. Die Wahl musste daraufhin im Februar 2023 wiederholt werden.
Aus den Erhebungen zur Wählerwanderung ergibt sich, wie viele Wähler mit ihrer damaligen Entscheidung gut drei Jahre später unzufrieden sind und wie viele „ihrer“ Partei treu geblieben sind. Entscheidend ist auch die Frage, wer Nichtwähler mobilisieren konnte. Linken und AfD ist das besonders gut gelungen.
Laut Landeswahlleitung durften gut 2,5 Millionen Hauptstadtbewohner an der Abgeordnetenhauswahl teilnehmen, etwa 60.000 mehr als 2023. Erstmals durften 16- und 17-Jährige abstimmen, diese Gruppe stellt etwa zwei Prozent der Wahlberechtigten. Außerdem wirkten sich Einbürgerungen aus.
In Berlin ist der Regierungschef der „Regierende Bürgermeister“. Vor dem scheidenden Kai Wegner, der wenige Wochen vor der Wahl als CDU-Spitzenkandidat durch Stefan Evers ersetzt wurde, hatte 22 Jahre lang die SPD den Regierungschef gestellt, immer mit linken Koalitionspartnern. Der spätere Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) war ebenso „Regierender“ von Berlin (1957–1966) wie der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU, 1981–1984).
