
Weniger, aber größere Airlines sind der Schlüssel für profitableres Fliegen in Europa. Und der Gläubigerschutz für die lettische Air Baltic wirft die Frage auf, ob sich die Auslese nun – angesichts eines hohen Kerosinpreises – beschleunigt. Für Lufthansa liegen die Chancen allerdings nicht im Baltikum, obwohl man bei Air Baltic schon einen Fuß in der Tür hatte. Für Lufthansa ist wichtig, das Bieterrennen mit Air France-KLM um TAP aus Portugal zu gewinnen. Nur dann kann der Konzern Langstreckenverbindungen in Schwellen- und Wachstumsmärkte auf der Südhalbkugel, wo man aktuell unterrepräsentiert ist, weiter ausbauen.
TAP ist auch deshalb wichtig, weil in Europas Luftfahrt für Lufthansa nichts Ähnliches greifbar ist, um durch Zukäufe in einem globalen Wettbewerb vorn dabei zu bleiben. In Polen sind vorerst keine Anzeichen erkennbar, dass der staatliche Eigner die Gesellschaft LOT unter ein größeres Dach schlüpfen lassen will. Ein Buhlen um die deutsche Condor scheidet für Lufthansa aus. Auflagen gerieten viel zu hoch, wenn nicht solch eine Übernahme untersagt würde. Bloß viel mehr ist in Europa neben den großen Drei – Lufthansa, IAG mit British Airways und Air France-KLM – nicht vorhanden, wenn es eine Verstärkung um eine Airline sein soll, die lukrative Langstreckenflüge durchführt. Der Rest der Branche ist, abgesehen vom separaten Kosmos der Billigflieger, durch diverse Anbieter gekennzeichnet, bei denen im Ernstfall Marktaustritte statt Übernahmen den großen Drei gelegener kämen.
Dass Lufthansa bei Air Baltic einstiegen ist und nun nichts Größeres daraus folgt, ist keine Schmach für den Konzern. Der Einstieg erfolgte zum Spottpreis von 14 Millionen Euro. Im Gegenzug erhielt Lufthansa die Sicherheit, dass mehr als 20 Air-Baltic-Flieger in ihrem Auftrag unterwegs waren. Sie flogen – als es nötig war – Verbindungen, die der Konzern nicht selbst hätte bedienen können. Der Einstieg hat sich schon ausgezahlt.
TAP wird nicht so günstig, die langfristigen Perspektiven sind aber größer – obwohl nach einem Teilverkauf der Staat Portugal vorerst an Bord bleibt. Die Schlussphase im Bieterduell, für die Portugal Lufthansa und Air France-KLM zum Nachbessern ihrer Offerten aufgerufen hat, ist für Lufthansa eine kritische. Mangels Alternativen muss es für Lufthansa bei TAP klappen.
