Wenn sie es sich hätten aussuchen können, sagte Daniel Pfaffengut, wäre die Wahl anders ausgefallen. Doch manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Und weil die Spielpläne immer noch von der Deutschen Eishockey Liga erstellt werden und nicht von den Löwen Frankfurt, stand am Sonntagabend in Köln ein Stürmer aus der Mainmetropole vor dem Mikrofon von „Magentasport“, der mit den vorangegangenen 60 Minuten zwar nicht hundertprozentig zufrieden war, aber schnell erkannte, was zählt: „Vier Punkte in zwei Auswärtsspielen zu holen: Das hätte jeder unterschrieben. Damit können wir zufrieden sein.“
Der Auftakt der neuen Saison hatte es in sich: Erst mussten die Löwen am Freitag in Schwenningen ran, wo es traditionell heiß hergeht, weil die Eisfläche kleiner ist. Dann ging es zum Topteam aus Köln, welches die Frankfurter in der Vorbereitung noch 5:1 besiegt hatte. Mit zehn neuen Spielern zweimal auswärts bei diesen Gegner antreten zu müssen – das hätte durchaus auch mal in die Hose gehen können, wodurch die Frankfurter im ersten Heimspiel gegen Nürnberg an diesem Freitag schon gehörig unter Druck geraten wären. Doch es kam anders. Ganz anders.
Auf die starke Leistung beim 5:0 in Schwenningen folgte eine 3:4-Niederlage nach Verlängerung in Köln, wo die Hessen nach Zwischenständen von 0:2 und 1:3 kurz vor der Schlusssirene den Ausgleich durch Eric Uba erzielten und sich so noch einen Punkt erspielten. „Wir haben Charakter bewiesen, darauf können wir unglaublich stolz sein“, urteilte Pfaffengut und wagte noch eine Prognose: „Ich glaube, da wächst etwas Großartiges zusammen bei uns in der Kabine.“
Schwachstellen behoben
Der 30 Jahre alte Stürmer, der am Freitag selbst einen von zwei Treffern in Unterzahl erzielt hatte, geht in seine dritte Saison mit den Löwen, seine zweite davon als Assistenzkapitän. Er kennt den Klub inzwischen gut; weiß auch, was ihn in den vergangenen beiden Spielzeiten manchmal gehemmt hat. Seinen Satz über die Kabine sollte man nicht nur als Schönreden abstempeln. Der erste Eindruck scheint ihm ohnehin recht zu geben.
In beiden Spielen wirkte es so, als hätten die Löwen Schwachstellen aus der vergangenen Saison behoben oder auf Feldern, wo es zuletzt hakte, zumindest größere Schritte in die richtige Richtung gemacht. Die einst löchrige Defensive stand mit den neuen Abwehrkräften Konrad Abeltshauser und Björn Krupp gegen Schwenningen und über weite Strecken auch gegen Köln stabil. Der neue Torhüter Adam Scheel strahlte nicht nur beim ersten Shutout der Saison große Sicherheit aus. Und die Effizienz vor dem gegnerischen Tor war vor allem in Spiel eins beeindruckend.
Letzteres führte wiederum dazu, dass der 5:0-Endstand allen Beteiligten etwas hoch erschien am Freitag. Doch gerade auf die neuen Stürmer und ihr Selbstbewusstsein wird das positive Auswirkungen haben. Center Brandon Biro bereitete bisher zwei Treffer vor. Anthony Romano erzielte ein Tor selbst und legte eines auf. Besonders in Erscheinung getreten sind offensiv aber zwei Spieler, von denen sich die Frankfurter in diesem Jahr den nächsten Schritt erhoffen: Eric Uba erzielte bereits vier Treffer. Matthew Wedman kommt auf zwei Tore und zwei Vorlagen.
Ganz zufrieden waren Daniel Pfaffengut und auch Trainer Tom Pokel trotzdem nicht. Im ersten Drittel gegen Köln wirkte das Team phasenweise nicht ganz angekommen im Spiel. Stellschrauben gebe es immer, an denen man drehen könne, sagte Pfaffengut: „Perfekt ist man nie.“ Dem Assistenzkapitän ging es bei seiner Analyse um Bereitschaft und Konzentration in den Anfangsminuten gegen Köln. Das seien aber Dinge, die man abstellen könne. Bei den Löwen herrscht Optimismus: „Auf dieses Wochenende können wir definitiv aufbauen“, sagte Pfaffengut. Er klang nach diesem Start wie jemand, der Lust auf mehr hat.
