
Völlig blank steht die Bundeswehr nicht da, wenn es um die Personalgewinnung geht: Die Zahl der Bewerbungen ist laut jüngsten Zahlen des Bundesverteidigungsministeriums vom Freitag im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 28 Prozent gestiegen, die Zahl der Einstellungen um 13 Prozent. Die Bundeswehr hat nun 4000 Soldaten mehr als vor einem Jahr, 186.400 sind es insgesamt.
Dass der neue Wehrdienst, der zu Jahresbeginn eingeführt wurde, ein bunkerbrechender Erfolg wäre, lässt sich den Angaben freilich nicht entnehmen. Derzeit dienen rund 11.400 Freiwillige Wehrdienstleistende und kurzdienende Zeitsoldatinnen in der Bundeswehr und -soldaten im Rahmen des Neuen Wehrdienstes. Das sind gerade mal sechs Prozent mehr als im Vorjahr, nicht besonders viel.
Zumal der Dienst an der Waffe finanziell deutlich attraktiver geworden ist. Andererseits haben auch jene Skeptiker unrecht behalten, die prophezeiten, der jugendliche Selbstverwirklichungsdrang lasse sich nicht in Kasernen zwängen. Für ein abschließendes Urteil ist es nach nur acht Monaten noch zu früh.
Aber Anlass zu allzu großem Optimismus gibt das Verteidigungsministerium nicht, wenn es schreibt, man liege damit „im gesetzlich festgelegten Zielkorridor“. Wie lange soll diese Zitterpartie nun noch weitergehen? Jahr für Jahr das Bangen und Hoffen, dass sich genug Freiwillige melden, damit die Bundeswehr bis zum Jahr 2035 die avisierte Größe von 255.000 bis 270.000 Soldaten erreicht?
Und wer weiß schon, ob diese Zahl nicht schon bald nach oben korrigiert werden muss, wenn Deutschland tatsächlich eine militärische Führungsrolle in Europa übernimmt? Hilfreicher als jeder „gesetzlich festgelegte Zielkorridor“ wäre deshalb ein Ziel. Und das kann nur heißen: Wiedereinführung der Wehrpflicht.
