Der Zirkus ist wieder in der Stadt. Zumindest fühlt es sich ein bisschen so an, wenn die Herbst-Dippemess am Ratsweg aufleuchtet und mit dem bunten und lauten Treiben noch etwas anderes zurückkehrt: die Jagd nach dem Puck in der Eissporthalle direkt nebenan.
Das größte Frankfurter Volksfest und die Löwen verbindet etwas. Kommt der Herbst, beginnt die zuletzt nicht selten wilde Fahrt durch die Saison für den Eishockeyklub. Und im Idealfall läuft diese dann noch im Frühjahr, wenn die Play-offs losgehen und die Menschen vor der Hallentüre auf der Dippemess vom Süßwarenstand zur Schießbude schlendern.
Die Löwen haben nach einer dürftigen Saison in der Deutschen Eishockey Liga mit Platz 13 zwar erst mal nur als Ziel ausgegeben, besser sein zu wollen als in der vergangenen Spielzeit. Doch freuen würde sich jeder, wenn sich diesmal im März nach einem Play-off-Spiel wieder eine Tüte Popcorn oder gebrannte Mandeln ergattern ließen. „Wir haben das Ziel, etwas gutzumachen“, sagt Sportdirektor Jan Barta.
„Sehr wertvoll“
Es ist der zweite Sommer, in dem er die Planungen der Frankfurter vorangetrieben hat. Und diesmal konnte Barta die Mannschaft, die im vergangenen Jahr noch von drei Managern zusammengestellt war, deutlich mehr nach den eigenen Wünschen und denen von Headcoach Tom Pokel umgestalten. Zehn neue Spieler wurden verpflichtet. Nun muss der Trainer daraus ein widerstandsfähigeres Team formen, das sich nicht mehr so leicht schwindelig spielen lässt, als hätte es draußen vor der Tür zu lange im „Break Dancer“ oder einem anderen Fahrgeschäft gesessen.
Begonnen hat Pokel, der mitten in der vergangenen Saison das Traineramt von Tom Rowe übernommen hatte, damit schon im Winter. Von Januar an waren spielerische Fortschritte zu erkennen. Aggressiver und besser habe das Team von dort an gespielt. Und vor allem: mit einem einheitlichen Konzept. Diesen Weg will Pokel fortsetzen. „Sehr wertvoll“ sei, dass er erstmals eine längere gemeinsame Zeit mit dem Team arbeiten konnte, ohne dass ein Pflichtspiel anstand.
Es ist kein kompletter Restart der Löwen in diesem Jahr. Doch Neues gibt es schon zu entdecken auf dem Frankfurter Eis und darüber hinaus. Mit Brandon Biro haben die Löwen einen spielstarken Center verpflichtet, mit Anthony Romano und Austin Wagner zwei schnelle Stürmer, die Torgefahr ausstrahlen sollen.

In der Abwehr kamen mit Björn Krupp und Konrad Abeltshauser nicht nur zwei verlässliche Akteure, die seit Jahren in der Deutschen Eishockey Liga als Konstanten gelten, sondern auch zwei Führungspersönlichkeiten, über deren Auftreten mancher Frankfurter Funktionär regelrecht schwärmt. Der neue Torwart Adam Scheel soll dem Team Sicherheit verleihen. Von Spielern wie Matthew Wedman, Michael Joyaux oder Ty Glover, die im Vorsommer oder während der Saison kamen, erhoffen sich alle den nächsten Schritt.
Neue Gesellschafterstruktur
Bei der ersten Pressekonferenz vor der neuen Saison wirkte neben Barta auch Pokel recht zufrieden mit dem, was die Löwen aufbieten. Und wie sich der Kader in den vergangenen Tagen und Wochen präsentierte. Der Headcoach sprach von einer „starken Vorbereitung“, in der zuletzt sogar das Topteam aus Ingolstadt bezwungen wurde. „Uns wird keiner unterschätzen zum Saisonstart“, sagt Barta, dessen Team mit Auswärtsspielen am Freitag in Schwenningen (19.30 Uhr) und am Sonntag in Köln (19 Uhr) keinen leichten Auftakt vor der Brust hat: „Dafür haben wir uns zu ordentlich präsentiert.“
Pokel kündigte an, mit seiner Mannschaft ein Eishockey spielen lassen zu wollen, das zu den leidenschaftlichen Frankfurter Fans passe. Eines, das dem anderen Team alles abverlangt. „Wir werden nicht jedes Spiel gewinnen“, sagt der Trainer: „Aber wenn wir verlieren, wird der Gegner dafür physisch bezahlen müssen.“ Und dann formulierte der US-Amerikaner noch einen anderen Satz, der etwas über den jetzigen Kader verraten sollte, indirekt aber auch offenbarte, was dem alten womöglich fehlte: „Wir haben Spieler, die das von der DNA selbst wollen.“
Eingriffe in den Wesenskern dieses Vereins gab es im Sommer aber nicht nur aufseiten der Mannschaft. Nach dem Ausscheiden von Mitgesellschafter Andreas Stracke, der die Löwen gemeinsam mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Stefan Krämer nach der Insolvenz der Lions wieder aufgebaut und bis in die DEL geführt hatte, gibt es eine neue Gesellschafterstruktur.
Eintracht Frankfurt hat zehn Prozent der Anteile und die Verantwortung in den kommerziellen Bereichen Sponsoring, Hospitality und als Lizenznehmer im Merchandising übernommen. Nun kamen kurz vor dem Saisonstart zwei weitere Unternehmen (Heureka GmbH und Ancoth GmbH) hinzu, die als Minderheitsgesellschafter fortan jeweils zehn Prozent der Anteile halten. Die Neuausrichtung des Gesellschafterkreises, zu dem noch die Prange Beteiligungen AG (30 Prozent) gehört, sei damit abgeschlossen, sagte Krämer, der weiterhin 40 Prozent der Anteile hält und alleiniger Geschäftsführer bleibt.
Das Ziel ist es, den Klub vorzubereiten auf die Zukunft, wenn 2030 die neue Multifunktionsarena kommen soll, in der die Löwen spielen werden. „Wir wollen uns finanziell weiterentwickeln“, sagt Krämer. „Ich glaube schon, dass wir da Schritte machen können.“ Im Moment liegt der Gesamtetat der Frankfurter bei rund zehn Millionen Euro. Große Sprünge werden allerdings erst möglich, wenn die neue Halle gebaut ist. Bis dahin müssen die Löwen weiter vorliebnehmen mit der Dippemess vor der eigenen Tür, wenngleich der Klub nach einer turbulenten Saison auf die nächste wilde Achterbahnfahrt gut verzichten kann.
