
Die Giuseppe Garibaldi wurde am Freitag von einer Militärkapelle im Hafen von Jakarta empfangen. Der 180 Meter lange Flugzeugträger war Ende August in Italien in See gestochen und hatte den Suezkanal und das Rote Meer durchquert. Er wurde zunächst von zwei italienischen Fregatten und später zwei indonesischen Kriegsschiffen begleitet. Am Freitag nächster Woche soll der indonesische Präsident Prabowo Subianto den Flugzeugträger dann offiziell in Dienst stellen. Dann wird er der indonesischen Presse zufolge den Namen KRI Sriwijaya tragen.
Die italienischen Streitkräfte hatten das Schiff bereits ausgemustert. Indonesien hatte früh Interesse an einer Übernahme bekundet, Italien überließ es den Indonesiern in der Hoffnung auf Nachfolgeaufträge ohne Kaufpreis. Die Kosten der Überführung und der Modernisierung des Kriegsschiffs übernimmt aber Indonesien. Es stand von 1985 bis 2024 im Dienst der italienischen Marine und war an Einsätzen in Somalia, im Kosovo, in Afghanistan und in Libyen beteiligt.
Für den Inselstaat ist es der erste Flugzeugträger. Die Anschaffung wird als Teil der Bemühungen des Präsidenten gesehen, Indonesiens Präsenz im indopazifischen Raum auszubauen. Die Ankunft der Garibaldi wird insbesondere von den asiatischen Nachbarstaaten aufmerksam beobachtet. Nach Thailand ist Indonesien erst das zweite Land in Südostasien mit einem eigenen Flugzeugträger.
Eine Maut in der Straße von Malakka ins Spiel gebracht
Die Ankunft des Kriegsschiffs wirft die Frage auf, ob es das Kräfteverhältnis in Südostasien verändern könnte. Indonesien liegt entlang wichtiger Handelsrouten. Für Aufregung hatte im April die Aussage des damaligen Finanzministers gesorgt, dass die Anrainerländer der Straße von Malakka eine Maut erheben könnten. Das hatte Sorgen geweckt, dass das Beispiel der Straße von Hormus Schule machen könnte. Jakarta hatte die Aussage später relativiert.
In der Region könnten aber auch die Spannungen um das Südchinesische Meer und Taiwan eskalieren. Mächte wie die USA und China, aber auch Japan, Australien und Indien bauen ihre militärischen Fähigkeiten aus.
Fachleute sehen in der Übernahme des Flugzeugträgers aber keinen „Game Changer“. „Es wird weder das militärische Gleichgewicht noch die strategische Lage in Südostasien verändern“, sagt der indonesische Verteidigungsexperte Muhammad Fauzan Malufti vom Centre for Strategic and International Studies (CSIS) der F.A.Z.
Vorerst für den Transport von Helikoptern eingesetzt
Das Kriegsschiff ist nicht nur mehr als 40 Jahre alt. Für viele moderne Kampfjets ist es nicht geeignet, da ihm die notwendigen Katapulte und Fangvorrichtungen fehlen. Es wurde einst für Hubschrauber und senkrecht startende und landende Kampfjets wie den britischen Harrier konzipiert, die Indonesien aber nicht besitzt. Indonesien wird die Garibaldi deshalb vorerst hauptsächlich zum Transport von Helikoptern nutzen. Eine weitere Möglichkeit könnte die Ausstattung mit Drohnen darstellen.
Um die Bedenken der Nachbarn zu zerstreuen, hatte Präsident Prabowo bereits angekündigt, dass der Flugzeugträger nur in humanitären Missionen eingesetzt werde. So soll er schon bald in Richtung des indonesischen Teils der Insel Borneo geschickt werden, um dort als mobile Einsatzplattform für Hubschrauber bei der Bekämpfung von Waldbränden zu helfen. Als Vorbild gilt der thailändische Flugzeugträger, der etwa bei dem verheerenden Tsunami 2004 und zuletzt bei der Flut in Südthailand 2025 eingesetzt worden war.
Die neue Heimat der Garibaldi wird in Lampung an der Südspitze der Insel Sumatra liegen, wo die Marine einen neuen Stützpunkt errichtet. Aufgrund der Geographie Indonesiens als riesigen Archipels könnte eine mobile Basis für Hubschrauber, Personal, Ausrüstung und Hilfsgüter hilfreich sein, sagt Malufti. Sie könne nahe an Katastrophengebieten operieren, selbst wenn lokale Flughäfen oder die Infrastruktur beschädigt seien. Da Indonesien entlang zahlreicher Vulkane und kollidierender Erdplatten liegt, ist das Land für Naturkatastrophen anfällig.
Bis zu 80 Millionen Dollar laufende Kosten
Allerdings gibt es auch Zweifel, ob der Flugzeugträger für diese Art von Einsätzen tatsächlich die beste Option darstellt. Kleinere und agilere Schiffe könnten diese Aufgaben womöglich besser bewältigen. Und auch wenn Indonesien das Schiff praktisch geschenkt bekommen hat, werden die laufenden Kosten auf 50 bis 80 Millionen Dollar pro Jahr geschätzt. Der Agentur Bloomberg zufolge plant die Regierung insgesamt Kredite in Höhe von 450 Millionen Dollar ein, um das Flugzeugträgerprogramm zu finanzieren.
Die Kosten belasten zusätzlich die Finanzen des Landes, die durch Prabowos ehrgeizige Programme, wie landesweite kostenlose Schulspeisungen, schon stark strapaziert sind. „Gleichzeitig gibt es weitere Kapazitätslücken, die die Fähigkeit der indonesischen Marine, unsere Gewässer vollständig zu schützen, erheblich beeinträchtigen“, sagt Verteidigungsexperte Malufti. Jedoch hat der erste indonesische Flugzeugträger für den ehemaligen General Prabowo politisch hohen Symbolcharakter. Die Übernahme der Garibaldi werde eher von „nationalem Prestige“ getrieben als von dringendem strategischen Bedarf, sagt Malufti.
Bereits seit seiner Zeit als Verteidigungsminister arbeitet Prabowo an der Modernisierung der indonesischen Streitkräfte. Manche Beobachter fürchten, dass die Garibaldi letztlich wie der thailändische Flugzeugträger Chakri Naruebet enden könnte. Dieser laufe wegen der hohen Kosten nur selten aus und diene meist als Attraktion für Touristen.
