
Schule aus, ab nach Haus. Rucksack in die Ecke, Fernseher an, zocken. Hausaufgaben? Welche Hausaufgaben? Wer in den Neunzigerjahren mit Videospielen aufwuchs, hatte es gut getroffen. Der Boom setzte zwar schon Ende der Siebzigerjahre mit Arcade-Automaten und Heimkonsolen wie dem Atari 2600 ein. Seine zweite, entscheidende Welle aber rollte in den Neunzigerjahren an, befeuert von 3D-Grafik und neuen Geräten.
Zu zweit auf der Couch, vor der flimmernden Röhre, gespielt, bis der Arzt kam. Oder die Mutter, schimpfend, dass jetzt Schluss sei. Der Blick in den Spiegel entlarvte die Lüge der Eltern, viereckige Augen hatte nämlich keiner von uns. Es war herrlich.
Selbst zusammengeschraubte PCs, nächtelange LAN-Partys und gemeinsames Daddeln bis zum Morgengrauen sind aus der Nische gerückt. Gespielt wird überall, auf Smartphones fast noch mehr als auf stationären Konsolen. Gaming ist längst gesellschaftsfähig geworden. Spätestens seit der Pandemie kein Thema mehr nur für den Hobbykeller, sondern mancherorts auch Sport. Es ist ein Milliardengeschäft.
Fast jeder spielt gern
Die jüngst Gamescom verzeichnete mit 368.000 Besuchern unlängst einen Besucherrekord, der deutsche Games-Markt wuchs im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Mehr als 40 Millionen Menschen spielen Computer- und Videospiele, rund sechs von zehn der 6- bis 69-Jährigen, weiß der Verband der deutschen Gamesbranche. Eine eigene Gemeinschaft, auch auf Social Media. Spieler filmen sich beim Spielen, kommentieren, streamen und werden selbst zu Stars.
Und dann sind da die Spiele selbst. Für „GTA 6“ werden Entwicklungskosten von bis zu zwei Milliarden Dollar kolportiert. Bestätigt ist die Summe nicht. Sie zeigt aber, in welchen Dimensionen die Branche inzwischen denkt. Für vergleichsweise wenig Geld lässt sich in immer realistischere Welten flüchten, selbst in die Handlung eingreifen und den Alltag für ein paar Stunden vergessen.
Aus evolutionärer Sicht ist gegen das Spielen ohnehin wenig einzuwenden. Spaß, sagen Forscher, sei das Zuckerbrot der Evolution. Jener motiviere zu Verhaltensweisen, die dem Wohlergehen, Überleben und der Fortpflanzung dienten. Ob stundenlanges Daddeln auf der Couch zuträglich ist, darf aber infrage gestellt werden.
