
Digitalkonzerne wollen Nutzer so lang wie möglich in ihren Apps halten. Dafür arbeiten sie mit allen Tricks: Pushnachrichten machen darauf aufmerksam, was wir verpassen. Der Überraschungseffekt – welches Video sehe ich wohl als Nächstes? – löst eine positive Dopaminreaktion aus. Likes sind Belohnungen. Algorithmen sorgen dafür, dass wir genau das sehen, was uns interessiert. Und da es kein Ende gibt, können wir scrollen, ohne je das (befriedigende) Gefühl zu haben, alles gesehen zu haben.
Dass das zu problematischem Nutzungsverhalten führen kann, dürften die meisten Erwachsenen mit Social-Media-Account bestätigen. Viele kennen das Gefühl: einmal Instagram geöffnet, eine Stunde Zeit verloren, sich geärgert. Für die noch unreifen Gehirne von Kindern könnte die Wirkung noch schädlicher sein.
Auf die Eltern kommt es an
Nun will die EU gegen die potentiell süchtig machende Wirkung der – hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen genutzten – App Tiktok vorgehen. Gut so! Bislang reagieren die Plattformen auf Regulierungsversuche allenfalls halbherzig. Auf sie verzichten sollte man aber nicht, wenn es offensichtlich nicht anders geht. Je mehr Versuche es gibt, desto größer wird der Druck. Und das führt vielleicht irgendwann zum Umdenken, auch in den Konzernen. Denn am Ende wollen die ja eins: Geld verdienen.
Der Druck auf Digitalkonzerne entlässt Eltern allerdings nicht aus ihrer Verantwortung: Sie sind es, die entscheiden, wann ihr Kind ein Smartphone bekommt. Ihre Aufgabe ist es, Kinder beim Start in die digitale Welt zu begleiten. Sie müssen über Gefahren aufklären und darüber, dass man nicht alles glauben darf, was man sieht.
Das bedeutet erstens, dass Eltern sich mit neuen Trends beschäftigen müssen. Und zweitens: dass sie ihre eigenen Gewohnheiten hinterfragen sollten. Denn wer am Abendbrottisch immer wieder zum Handy greift, auf dem Spielplatz durch Instagram scrollt oder sich zum Einschlafen Youtube-Shorts reinzieht, der kann von seinen Kindern kaum verlangen, dass sie darauf verzichten.
