
Die Stadt München hat für das am Samstag beginnende 191. Oktoberfest die Sicherheitsvorkehrungen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal verstärkt. Zusätzlich zu den 56 Polizeikameras setzt das für die Sicherheit zuständige Kreisverwaltungsreferat (KVR) 26 Überwachungskameras ein, die durch Künstliche Intelligenz gestützt werden. Sie erstellen Wärmebilder, sogenannte „Heat Maps“, und lösen automatisch Alarm aus, sollten die Menschenansammlungen zu dicht werden.
Wie Hanna Sammüller, Kreisverwaltungsreferentin von den Grünen, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in München erläuterte, gibt es bei der Überwachung der Massen, dem „Crowdspotting“, „unterschiedliche Eskalationsstufen“. Das betrifft auch die Kommunikation in Richtung Besucher. Für jede Stufe gebe es „vorgegebene Texte“, die dann auf der Wiesn über die Lautsprecher zu hören seien, in unterschiedlichen Sprachen.
Im vergangenen Jahr hatte sich am zweiten Oktoberfestwochenende die Menge vor den Festzelten so stark gestaut, dass Menschen in Panik gerieten. Durchsagen, das Festgelände sei aus Sicherheitsgründen gesperrt worden, trugen eher zur weiteren Beunruhigung bei, zumal sie zunächst im Unklaren ließen, was der Grund für die Stauungen gewesen war. Es kursierten Spekulationen über eine mutmaßliche Terrorlage oder dergleichen. Christian Scharpf (SPD), als Referent für Arbeit und Wirtschaft auch Chef der Wiesn, gab damals mit den Worten, es sei „noch mal alles gut gegangen“, zu erkennen, dass das größte Volksfest der Welt womöglich nur knapp einer Katastrophe entronnen war.
Krisenprävention durch Blasmusik
Diesmal soll sogar Blasmusik, ohne die Bayern laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) undenkbar ist, zur Krisenprävention eingesetzt werden. Um internationale Gäste verstärkt an Wochentagen anzulocken, darf sie in den Zelten diesmal eine Stunde früher beginnen. Scharpf hatte allerdings hervorgehoben, dass „aufheizende Musik“ – mutmaßlich à la „Skandal im Sperrbezirk“ oder „Hulapalu“ – für den Abend reserviert bleibe.
Es wird drei Sperrringe um das Fest geben, dort ist der Verkehr verboten, aber auch die Benutzung und das Abstellen von E-Scootern. In den gut zwei Wochen, die das Fest dauert, werden ständig jeweils 600 Polizisten im Einsatz sein, dazu laut Sammüller „immer 1200 bis 1600 Ordnerinnen und Ordner“. Allerdings setzen Stadt und Polizei nicht nur auf die Kraft von Kontrolle und Repression, sondern auch auf den deeskalierenden Charme der bayerischen Lebensart, siehe Blasmusik.
Der Sensibilisierungsgrad der bayerischen Landeshauptstadt
Überdies soll es in den Wiesn-nahen U-Bahnhöfen laut dem Münchner Polizeivizepräsidenten Christian Huber „präventive Durchsagen“ der Polizei geben, und zwar „mit sympathischem Münchnerischen oder bayerischem Dialekt“. Es ist auch dafür gesorgt, dass Ordner, die laut Sammüller zu einem großen Teil nicht aus München kommen, in einer Besprechung sensibilisiert werden bei Themen wie Rassismus oder Sexismus, damit sie, so die Kreisverwaltungsreferentin, „einfach wissen, was hier der Sensibilisierungsgrad in der Landeshauptstadt München ist“.
Für Notfälle, Bedrohungen oder sexuelle Übergriffe unterstützen viele Zelte die „Safe Now“-App, mit der per Klick das Sicherheitspersonal gerufen werden kann. Sammüller machte auch vor diesem Hintergrund darauf aufmerksam, dass man sparsam mit dem eigenen Handyakku umgehen oder eine Powerbank in der Lederhose mitführen solle.
Allen, die nach der fünften Maß Bier ihrem Wiesn-Tag die Krone aufsetzen wollen, sei übrigens gesagt: Der Genuss von Cannabis ist auf dem gesamten Festgelände verboten. Bei Zuwiderhandlung drohen laut Polizeivizepräsident Huber Bußgelder von bis zu 1500 Euro.
