
Die Unterzeichnung der Übernahme des deutschen KI-Start-ups Aleph Alpha durch den Wettbewerber Cohere in Kanada wollte Karsten Wildberger (CDU) sich am Mittwoch nicht entgehen lassen. Der deutsche Digitalminister hat den Deal über die vergangenen Monate entscheidend mitvorangetrieben. Er erhofft sich von dem jetzt kanadisch-deutschen KI-Unternehmen eine echte Alternative zu den großen amerikanischen KI-Anbietern Open AI, Anthropic und Google.
Ohne Zweifel ist es wichtig, dass deutsche Unternehmen und Behörden sich nicht vollständig von amerikanischer KI abhängig machen. Im Juni verhängte die US-Regierung zeitweise ein Exportverbot für die fortschrittlichsten KI-Modelle des Unternehmens Anthropic. Das zeigte eindrücklich, wie erpressbar Europa in seiner digitalen Infrastruktur sein kann. Cohere kann unter Umständen eine Alternative werden. Mehr Angebot und Konkurrenz schaden dem KI-Markt nicht.
Immer noch ein Nischenanbieter
Mit allzu hohen Erwartungen sollte man dennoch vorsichtig sein. Die gab es nämlich auch mal für Aleph Alpha, dass von Medien und Politikern einst als „europäisches Open AI“ gefeiert wurde. Der Anspruch des Heidelberger Start-ups, europäische KI-Modelle auf Spitzenniveau zu entwickeln, war immer eine große Wette mit schlechten Quoten. In Heidelberg hat man versucht, mit einem Bruchteil der Ressourcen das nachzubauen, was die amerikanischen Branchenführer mit Milliardeninvestitionen auf die Beine gestellt hatten. Das scheiterte – weil Geld fehlte, aber auch weil das Management falsche Entscheidungen traf und sich verzettelte.
Nun hat man mit Cohere zwar einen deutlich größeren Eigner mit mehr Zugang zu Rechenkapazitäten, der wichtigsten Währung des KI-Zeitalters. Aber im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz ist Cohere immer noch winzig und bedient eine Nische.
Und auch in dieser gibt es durchaus Konkurrenz. Da ist zum einen das französische Unternehmen Mistral. Vor allem aber experimentieren immer mehr Unternehmen mit offenen chinesischen KI-Modellen, die sich auch auf lokalen Servern betreiben lassen. Auch das kann – bei aller gebotenen Vorsicht – eine Alternative zur US-Dominanz sein. Zweifellos erhofft sich Cohere von der Übernahme Aleph Alphas auch Aufträge der deutschen Regierung. Das Unternehmen muss aber technisch und wirtschaftlich mit einem guten Angebot überzeugen. Das Wohlwollen des Digitalministers darf dabei keine Rolle spielen.
