
Auf den Hightech-Messen in Taiwan gehört das Preisen der Künstlichen Intelligenz und ihrer Möglichkeiten seit einigen Jahren fest zum Programm. Umso mehr überraschen nun Aussagen eines Spitzenmanagers der Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., wonach der Konzern selbst die Technologie nur sehr zurückhaltend einsetze. TSMC ist der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips für die KI-Rechenzentren von Nvidia und für viele weitere Techkonzerne.
Insbesondere in Forschung und Entwicklung sei man sehr vorsichtig, da bei unsachgemäßem Einsatz Risiken wie Datenlecks und Datenverfälschung bestünden, sagte Y.J. Mii auf einer Veranstaltung in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Er ist Co-Chief Operating Officer, also so etwas wie der Betriebsvorstand des Konzerns.
„Die KI weiß nicht, welchen Schaden sie anrichten kann“
„KI ist wie ein dreijähriger Superman. Sie kann ziemlich mächtig sein, aber sie weiß nicht, welchen Schaden sie anrichten kann“, sagte Mii vor Studierenden der National Taiwan University, an der er selbst einst studierte. „Und sie weiß nicht, was richtig und was falsch ist“, sagte Mii laut taiwanischen Medienberichten. Er verwies auf die jüngsten Vorfälle, bei denen Modelle von OpenAI und Anthropic ungewollt in externe Organisationen eingedrungen seien.
Der Manager hatte auf einem Karriereforum der Universität gesprochen und war von den Studenten nach dem Einsatz von KI in der Arbeit von TSMC gefragt worden. Seine Einlassungen passen in die aktuelle Debatte zu den Gefahren von KI. Einige Brancheninsider warnten zuletzt öffentlich davor, dass die neue Technologie schon bald die ganze Menschheit auslöschen könnte. Dario Amodei, der Vorstandschef des KI-Entwicklers Anthropic PBC, hatte angesichts wachsender Sorgen über schwerwiegende Risiken dazu aufgerufen, die Entwicklung der fortschrittlichsten KI-Modelle zu verlangsamen, und davon die Zustimmung von OpenAI-Chef Sam Altman und xAI-Chef Elon Musk erhalten.
Zu dieser Diskussion äußerte sich Mii nicht direkt. Er wollte seine Skepsis eher mit Blick auf die mangelnde Praktikabilität der Technologie im Design hochmoderner Chips verstanden wissen. KI sei derzeit nicht besonders nützlich, um bei der Entwicklung der nächsten Generation von Halbleitertechnologie zu helfen, sagte Mii.
Da kein anderer Konzern so leistungsstarke Halbleiter fertigen kann wie TSMC, steigt die Nachfrage nach den Chips der Taiwaner durch den KI-Boom seit einigen Jahren kräftig. Allein im August dieses Jahres lag der Umsatz mehr als 50 Prozent über dem Vorjahreswert. Im bisherigen Jahresverlauf hat der Konzern damit schon 3,38 Billionen Neue Taiwan-Dollar (92 Milliarden Euro) umgesetzt. Auf einer Halbleitermesse in Taipeh Anfang des Monats warnten allerdings einige Branchenvertreter, dass durch die hohe Geschwindigkeit der Neuerungen auch technische Fehler in der Chipproduktion entstehen könnten, die dann im Einsatz Künstlicher Intelligenz schwerwiegende und teure Folgen haben könnten.
