
Das Urteil des Kosovo-Tribunals gegen den einstigen kosovarischen Freischärlerführer Hashim Thaçi war juristisch nur das vorletzte Wort. Ein Berufungsverfahren steht aus. Angesichts der Beweislage scheint es aber gut und richtig, dass Thaçi nun verurteilt wurde.
Zumindest nach derzeitigem Wissensstand wirkt es auch wenig wahrscheinlich, dass eine Berufung mit einem Freispruch enden könnte. Ob die Dauer von 25 Jahren Haft in einem vernünftigen Verhältnis zu den Strafen für serbische Kriegsverbrecher steht, sollte auch im Lichte der Geschichte debattieren werden.
Werden die historischen Proportionen verwischt?
Das Urteil sollte nicht dazu verleiten, die historischen Proportionen des Geschehens im Kosovo 1999 zu verwischen. Ausgelöst wurde der Konflikt durch die großserbische Politik des 2006 gestorbenen Belgrader Potentaten Slobodan Milošević. Serbische Sicherheitskräfte haben ungleich größere Verbrechen begangen als jene, die der „Befreiungsarmee Kosovo“ (UÇK) zur Last gelegt werden.
Deshalb tat das Gericht gut daran hervorzuheben, dass in Den Haag weder die Kosovo-Albaner noch die UÇK und deren Kampf für die Unabhängigkeit vor Gericht standen. Denn dieser Kampf war angesichts der serbischen Unterdrückung ebenso unvermeidlich wie gerechtfertigt.
