Wie muss es sich wohl anfühlen, ein Spiel bei der Fußball-WM zu gewinnen? Wenn Sie sich das schon immer gefragt haben, liebe Leserinnen und Leser, freuen wir uns, dass wir Ihnen endlich die richtige Antwort auftischen können. Die Gefühle spielen verrückt. Genauer: das Hungergefühl.
Thomas Tuchel jedenfalls packte es nach dem Sieg seines englischen Nationalteams gegen Mexiko im Sommer so sehr, dass er noch heute etwas bereut: den Rasen im Stadion nicht gegessen zu haben. Wie man auf diese Idee kommt, werden Sie nun fragen und womöglich kurz darüber nachdenken, ob Tuchel in seiner Zeit als Trainer beim FC Bayern in den sauren Apfel gebissen und zu viel Schafkopf mit Thomas Müller gespielt hat. Doch so wird es wohl eher nicht gewesen sein.

Tuchel wollte, dass für immer etwas vom saftigen Grün des Aztekenstadions in seinem Körper bleibt. Was uns etwas merkwürdig erscheint, wenn wir im Grundschulunterricht beim Thema Verdauung richtig aufgepasst haben. Aber so oder so ist klar: Tuchel geht kulinarisch neue Wege.
Beim BVB gab er noch zu allem seinen Senf dazu, krempelte den Kantinenplan komplett um. Während der WM nun hatten wir folgende Überschrift gelesen, in die Welt gesandt vom Sport-Informations-Dienst: „Baked-Beans: England mit Soulfood zum Titel?“ Die Frage können wir inzwischen beantworten: Mit Bohnen auf Toast wurde es nichts – die englische Titeldiät geht weiter. Soulfood hin oder her.

Womöglich lag es aber auch einfach hieran: Harry Kane, auch das erfuhr man nämlich nebenbei, griff lieber zu Rührei auf Toast. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.
Und damit zum Thema, bei dem in dieser Woche jeder deutsche Fußballfan anbeißt: die Nationalmannschaft, bei der schon wieder so viel durchgesickert ist wie sonst nur auf den penibel gepflegten Fußballrasen dieser Welt, wenn es mal regnet. Immer wieder wurden neue Namen bekannt, die Bundestrainer Jürgen Klopp zum Start seiner Zeit beim DFB-Team an diesem Donnerstag offiziell berufen (oder nicht berufen) wird.

Es sind meist die Berater, die nicht um den heißen Brei herumreden und die Namen publik machen, sofern sich nicht Younes Ebnoutalib beim Einkaufen in der Frankfurter Innenstadt vor einer Kamera verplappert und damit auf Tiktok landet. Der Hunger der Fußballwelt nach Informationen – er ist noch größer als der von Tuchel nach einem gewonnenen WM-Spiel.
Ob Klopp das schmeckt? Vermutlich eher nicht. Aber wer weiß, wie der neue Coach kulinarisch tickt? Bisher ist uns zu diesem Thema nur ein Satz von DFB-Präsident Bernd Neuendorf über Klopps erste Wochen auf den Tisch gekommen: „Er geht in die Kantine, ist sehr nahbar für alle.“ Auch zum Grillen soll er die DFB-Mitarbeiter schon eingeladen haben. Was bei diesen Anlässen auf dem Speiseplan stand, ist leider nicht überliefert.
Es klingt aber ganz danach, als sei alles in Butter. Endlich soll Gras über die verpatzte WM wachsen, der Weg zur EM 2028, die Klopps erstes großes Turnier sein wird, beginnen. Gut auch für Tuchel, dass der Kontinentalvergleich in England, Schottland und Wales ausgetragen wird.
Im Mutterland des Fußballs und in den angrenzenden Nationen sind die Wiesen besonders grün und saftig. Das Auge isst ja bekanntlich mit. Bleibt nur zu hoffen, dass die deutsche Nationalelf bis dahin auf ein neues Rezept setzt: mehr Leckerbissen.
