Den ersten Platz auf der Rangliste der schönsten Lachanfälle des Jahres sicherte sich Ende August Zara Larsson. Als die schwedische Popsängerin beim belgischen Pukkelpop Festival den Titel „Midnight Sun“ anstimmte, machten immer mehr Fans im Publikum eine Hebefigur aus der Choreographie zum Song nach. Bäuchlings und mit angewinkelten Beinen schienen sie über den Köpfen der anderen zu schweben. Bei diesem Anblick überkam Larsson erst ein Kichern und dann ein Lachanfall. Videos von dem Auftritt gingen viral, Larsson wurde (wieder einmal) als „personifizierter Sonnenschein“ gefeiert.
Diesen Ruf verdankt sie auch ihren Bühnen-Looks. Larssons Kostüme und ihr Make-up sind stets knallbunt und mit viel Glitzer versehen. Bei ihrem viralen „Midnight Sun“-Auftritt klebten um ihr rechtes Auge herum funkelnde Sticker in Form eines Schmetterlings. Glitzernd, bunt, verspielt – ein bühnenreifes Beispiel für den sogenannten Bedazzling-Trend.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Glitzersteine in allen nur denkbaren Farben, Formen und Größen zieren derzeit alles von Gesichtern und Körpern über Laptops und Handyhüllen bis zu Kaffeebechern, Cremetiegeln und sogar Gesichtsmasken. Kylie Jenner präsentierte ihren fast 400 Millionen Followern auf Instagram im August ihre mit Glitzerstickern verzierte Geburtstagstorte, auch die Gläser auf ihrer Party waren damit versehen. Influencerinnen zeigen sich im Glitzer-Komplettlook, auf Kindergeburtstagen und Festen für Erwachsene werden die funkelnden Steinchen zum Teil des Programms.

„Nichts ist sicher vor Strasssteinen“, befand die indische Ausgabe der „Cosmopolitan“ kürzlich (auch wenn es sich in den meisten Fällen nicht um echten Strass handeln dürfte).
Hatte Paris Hilton auch
Wer die Jahrtausendwende miterlebte, erinnert sich vielleicht, wie Glitzersteine ihren Weg aus der Kinder-Sticker- und Kostümabteilung zu Größen der Popkultur wie Mariah Carey und Gwen Stefani fanden. Womöglich versuchte nicht nur die Autorin dieser Zeilen damals, mit Pinzette und pinkfarbenen Glitzersteinen ihr Klapphandy so wie jenes von Paris Hilton zu verzieren.
Die wahren Pionierinnen des aktuellen Trends aber sind die erst Jahrzehnte später mit Verehrung bedachten Protagonistinnen aus Paul Verhoevens Film „Showgirls“ von 1995. Zwischen Kunstwimpern und Haarteilen strahlten etliche kleine bunte Steine.
Nun sind die funkelnden Sticker wieder da. Sie bringen einen Hauch Nostalgie mit, vor allem aber viel Lust auf Farbe, Überschwang und gute Laune. Noch besser wirken kann Glitzer aber wohl nur kombiniert mit dem schönsten Lachanfall des Jahres.
