
Keine leichte Wahl für True-Crime-Fans: In der ARD-Mediathek finden sich einige Dokumentationen über wahre Verbrechen, zum Beispiel „Tod nach der Disco. Der Eiskeller-Fall“. Oder „Mörder im Chat. Der Fall Ayleen“. Netflix zeichnet das Drama einer Beziehung nach, die gar nicht gut endet: „Tödlich. Eine amerikanische Ehe“. Wessen Unterhaltungsbedürfnis ein Toter allein nicht befriedigt, der sollte sich für „Ted Bundy. Selbstporträt eines Serienmörders“ entscheiden oder für Charles Manson, der ebenfalls eine sichere Bank ist. Aber bitte keine dieser Metzeleien vor dem Zubettgehen!, werden die Longevity-Jünger jetzt rufen. Der Schlaf ist ihnen heilig. Und sie haben ja recht: Ohne erholsamen Schlaf wankt man nur durch den nächsten Tag. Reibt sich beim Lesen die Augen, weil die Buchstaben verschwimmen.
Statt Schauerlichkeiten empfehlen die Körper- und Geistoptimierer Yoga, Meditation, Tee trinken sowie den „bewussten Verzicht auf störende Lichtquellen und elektronische Geräte“ (Deutsche Longevity Gesellschaft). Nun haben Forscher, die ihre Probanden zwei Wochen lang Tagebuch führen ließen, herausgefunden, dass der Konsum von True-Crime-Formaten am Abend gar keine negativen Auswirkungen auf das Befinden am nächsten Tag hat. Sie stellten in ihrer Studie „Does true crime increase negative affect, or negative affect lead to true crime?“ sogar fest, dass jene, die besonders gewalttätige Fälle konsumiert hatten, am folgenden Tag tendenziell etwas positiver gestimmt waren. Allerdings räumen sie ein, dass der Effekt sehr klein war. Dennoch sollte die Studie ein Anstoß sein, die eigene Abendroutine zu überdenken. Dazu passen nämlich Ergebnisse aus der Horrorforschung, in der man vom Phänomen der „Recreational Fear“ spricht – Freizeitangst.
Der Regisseur Wes Craven, der das Horrorgenre maßgeblich prägte, bezeichnete Horrorfilme einst als eine Art Bootcamp für die Seele. Neunzig Minuten gruseln zur Stärkung der Resilienz. Craven jedenfalls wusste, wovon er sprach. Er hat den Slasher Freddy Krueger („A Nightmare on Elm Street“) erfunden. Nicht zufällig trägt Krueger übrigens einen rot-grün geringelten Pullover. Mit dieser Farbkombination hat das Auge Schwierigkeiten und muss sich besonders anstrengen, was innere Unruhe auslöst. Dass ausgerechnet Freddy Krueger, der seine Opfer im Schlaf heimsucht, und True-Crime-Formate eines Tages als Gute-Nacht-Geschichten reüssieren könnten, dürften selbst Horrorfans wie Wes Craven nicht vorhergesehen haben.
