Wer Bob Mackie auf dem roten Teppich oder vor der Kamera trug, musste ein „Wow“ ebenso aushalten können wie ein leicht zweifelndes „Oh“. Wie der kalifornische Designer später sagte, kamen selbst Cher Zweifel, als er sie für das Video zu ihrem Titel „If I Could Turn Back Time“ in Netzstrümpfen und einem durchsichtigen, schwarzen Body auf ein Kriegsschiff der Marine schickte. „Cher wollte das Outfit damals unbedingt tragen. Vor den vielen Seeleuten wurde sie aber ein wenig nervös und zog kurzerhand ihre Lederjacke über“, erinnerte sich Mackie an die Dreharbeiten im Jahr 1989. Der Auftritt sei das einzige Mal gewesen, dass er die Oscar-Preisträgerin unsicher erlebt habe.
Weniger umstritten, aber nicht weniger glamourös waren die Outfits des Designers für Chers Kolleginnen in Hollywood. Für Diana Ross entwarf er Mitte der Siebziger einen Bodysuit mit Perlen und ausuferndem Halsschmuck, für Beyoncé mehr als 30 Jahre später ein Feuerkleid mit einigen Tausend orangefarbenen Pailletten – ein Markenzeichen seiner Designs aus Phantasie, Glitzer und Kopfschmuck, die Mackie den Beinamen „Sultan der Paillette“ einbrachte. Zu den berühmtesten Kunden des Kaliforniers gehörten Tina Turner, Barbra Streisand und Elton John sowie Vertreterinnen von Hollywoods nächster Generation wie Zendaya und Miley Cyrus.

Als Assistent des französischen Designers und Kostümbildners Jean Louis hatte Mackie, der im März 1939 im Monterey Park bei Los Angeles geboren wurde, seine Nische aus Filmbranche und Mode schon zu Beginn seiner Karriere gefunden. Zu den ersten Skizzen des damals Dreiundzwanzigjährigen gehörte das funkelnde Kleid im Nude-Look, in dem Marilyn Monroe für John F. Kennedy im Mai 1962 „Happy Birthday, Mr. President“ ins Mikrofon hauchte.
„Eine Frau, die meine Designs trägt, hat keine Angst aufzufallen“, sagte Mackie später über seine prominenten Anhängerinnen. Wie eine Sprecherin mitteilte, ist der „Sultan of Sequins“ am Montag im kalifornischen Palm Springs nach einer Lungenentzündung verstorben. Bob Mackie wurde 87 Jahre alt.
