
Die Trump-Getreuen im Führungsgremium des Kennedy Centers sehen schwarz für die Zukunft der Institution, wenn der Präsident seinen Willen nicht bekommt. Das zumindest legen Dokumente nahe, über die die „Washington Post“ berichtet. So könnte das Kuratorium noch in dieser Woche beschließen, das Hauptgebäude dichtzumachen. Für die geplante Renovierung steht die Schließung ohnehin an, aber nun warnt das Gremium auch vor einem Bankrott des gesamten Hauses.
Das Kennedy Center stehe kurz vor dem „sicheren finanziellen Kollaps“, zitiert die Zeitung aus den Unterlagen. Die Finanzkrise und den desolaten Gebäudezustand verknüpft man nun direkt mit dem seit Monaten schwelenden Namensstreit. Ohne die Hilfe von Donald Trump sei das Kulturzentrum am Potomac kaum noch zu retten, so die Argumentation der Mehrheit des Kuratoriums. Doch wie solle der Präsident beim Spendensammeln helfen, ohne dafür angemessen gewürdigt zu werden?
Das Gebäude muss dringend renoviert werden
Die Finanzkrise soll dabei noch ernster sein als bislang bekannt. Wie die „Post“ berichtet, warnte das Kuratorium davor, dass Gehälter und Rechnungen bald nicht mehr bezahlt werden könnten. Und der bauliche Zustand des Hauptgebäudes sei ein Sicherheitsrisiko. Anfang September hatte sich während eines Unwetters ein großes Stück Deckenputz im Foyer gelöst. Verletzte gab es nicht, aber daneben wurden an weiteren Stellen Wasserschäden und Korrosion festgestellt.
All das führt nun dazu, dass die Zukunft des einst prestigeträchtigen Kennedy Centers angeblich nicht mehr gesichert sein soll. Doch vor allem geht es wohl um Trumps Wünsche, die zuletzt vor Gericht ins Stocken kamen. Nach seinem Amtsantritt 2025 hatte der Präsident einen großen Teil des Kuratoriums ersetzt, das neue Gremium hatte ihn anschließend zum Vorsitzenden gewählt. Im vergangenen Winter war Trumps Name neben dem von John F. Kennedy an der Fassade angebracht worden.
Ein Bundesrichter hatte im Frühjahr entschieden, dass die Leitung nicht befugt sei, das vom Kongress als Denkmal für Kennedy vorgesehene Zentrum umzubenennen. Trumps Namenszug war daraufhin wieder entfernt worden. Zurzeit gibt es einen Rechtsstreit darüber, ob das Kuratorium ihn wieder anbringen darf, etwa als Plakette für Verdienste des Präsidenten um die geplante Renovierung. Die Abgeordnete Joyce Beatty aus Ohio, die als Demokratin in dem Gremium sitzt, hat gegen den Plan geklagt. Aus dem Verfahren stammen die jetzt bekannt gewordenen Unterlagen.
Trump will eine Gegenleistung
Laut der „Washington Post“ soll Trump angesichts der aktuellen Finanzkrise angeboten haben, beim Einwerben zusätzlicher Mittel für die Sanierung und Renovierung zu helfen. Ohne eine angemessene öffentliche Würdigung dafür sei aber kaum damit zu rechnen, dass der Präsident die Spendensammlung übernehmen werde, hieß es aus Kreisen des Kuratoriums. In den Gerichtsunterlagen findet sich eine Resolution mit verschiedenen Vorschlägen für neue Trump-Namensplaketten, über die das Gremium diese Woche ebenfalls abstimmen will.
Seit Trumps Übernahme hatten zahlreiche Künstler Auftritte im Kennedy Center abgesagt. Zu den prominentesten Beispielen gehören die Macher des Musicals „Hamilton“. Die finanzielle Lage verschlechterte sich durch ausbleibende Spenden und schleppende Ticketverkäufe. Prognosen gingen für das laufende Geschäftsjahr von Einnahmen von 124 Millionen Dollar aus, ursprünglich waren 220 Millionen veranschlagt. Besonders dramatisch ist die Entwicklung beim National Symphony Orchestra. Dessen Ticket-Auslastung sank von 72 Prozent im Jahr 2024 auf 58 Prozent im Folgejahr. Zuletzt waren nur noch 41 Prozent der Eintrittskarten verkauft worden.
Das Kuratorium hatte bereits im August die zweijährige Schließung des Kennedy Centers für die ohnehin geplante Sanierung beschlossen. Der Kongress hatte dafür im vergangenen Jahr rund 256,7 Millionen Dollar bereitgestellt. Diese Mittel sind jedoch für bauliche Zwecke vorgesehen und nicht, um Verluste oder ausbleibende Spenden auszugleichen.
Schon die temporäre Schließung des Kulturzentrums hat Folgen für die Stadt, die sich bereits bemerkbar machen. Schließlich war das 1971 eröffnete Kennedy Center über Jahrzehnte ein Wirtschaftsfaktor für die Nachbarschaften Foggy Bottom und West End. Restaurants und Hotels lebten auch von Konzert- und Theaterbesuchern. Schon jetzt klagen etliche von ihnen über massive Umsatzrückgänge.
