
Was Donald Trump am Montag auf Truth Social verkündet hatte, klang groß: Moskau und Kiew hätten sich darauf verständigt, wechselseitig auf Angriffe auf Energieanlagen zu verzichten. Doch weder Russland noch die Ukraine haben das bestätigt. Offiziell kommentierte die russische Führung Trumps Äußerung zunächst gar nicht. Das Exilmedium „Agenstwo“ wiederum zitierte eine Moskauer Quelle, die mit den Verhandlungen vertraut sei, mit der knappen Aussage, es handele sich um eine „Improvisation Trumps“.
Die Zeitung „Financial Times“ berichtete, Moskau und Kiew diskutierten zwar neuerlich über eine sogenannte Energiewaffenruhe; eine solche gab es im Frühjahr 2025 kurzzeitig. Allerdings, so die Zeitung, wolle der russische Herrscher Wladimir Putin eine solche nicht vor dem Winter abschließen. Denn er rechne damit, dass die Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur in der kalten Jahreszeit den Druck auf Kiew erhöhen würden, Moskau nachzugeben.
Selenskyj betont Bereitschaft zur Deeskalation
„Der weltweite Anstieg der Dieselpreise ist hauptsächlich auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zurückzuführen, nicht auf den mit Iran“, behauptete Trump. Am Sonntag schon hatte Trump erklärt, dass ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien dazu führten, dass Diesel-Treibstoff knapp werde und der Preis steige.
In Russland ist die Versorgung mit Diesel zwar besser als die mit Benzin, wie Moskauer Autofahrer dieser Tage der F.A.Z. bestätigten. Zugleich berichteten sie, dass auch beim Benzin die Lage gerade wieder entspannter sei als noch vor Kurzem. Der Höhepunkt der Krise um die Treibstoffversorgung war im Juli. Neue ukrainische Angriffe könnten die Lage allerdings wieder zuspitzen. Und Exportverbote gelten in Russland mittlerweile für alle Treibstoffarten, Benzin, Diesel und Kerosin.
Putins Sprecher hatte Trumps Aufforderung an die ukrainische Führung gelobt, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. „Man kann jeden Aufruf an das Kiewer Regime nur begrüßen, die Angriffe auf die zivile Infrastruktur einzustellen“, hatte Dmitrij Peskow gesagt. Eine Frage, ob Russland bereit sei, seinerseits auf Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur zu verzichten, ließ der Kremlsprecher unbeantwortet.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war darum bemüht, seine Bereitschaft zur Deeskalation zu bekunden, ohne eine Einigung mit Moskau und Washington zu bestätigen. Am Montagabend sprach Selenskyj in einer Videobotschaft von einem „starken US-Vorschlag“, der ein „erster Schritt hin zu einer Deeskalation sein könnte“. Selenskyj zufolge sei auf Russlands Seite zwar bisher „kein echter Wille zu erkennen, den Krieg zu beenden“. Kiew sei aber bereit, seinerseits Schritte zu Deeskalation zu unternehmen.
Aus ukrainischer Sicht sollen neben Energieanlagen auch Exportkorridore und die kritische Infrastruktur Teil einer Vereinbarung sein. Der ukrainischen Wirtschaft bereiten die permanenten russischen Angriffe auf Häfen und zivile Frachtschiffe rund um Odessa große Probleme. Nur ein Bruchteil der Exporte kann derzeit über das Schwarze Meer abgewickelt werden. Selenskyj forderte eine „starke, gerechte und dauerhafte“ Lösung. Man warte auf weitere Details von den Partnern.
