
In den Vereinigten Staaten hat es einen dritten „masernassoziierten“ Todesfall gegeben. Eine 40 Jahre alte Frau, die im Jefferson-Bezirk in Pennsylvania lebte, starb am Samstag an Masernkomplikationen, wie der zuständige Bezirks-Gerichtsmediziner am Sonntag mitteilte. Zuvor waren schon zwei Säuglinge in dem Bundesstaat an Masern gestorben. Es waren die ersten Masern-Todesfälle in Pennsylvania seit 1991.
Zudem erlebt das Land die schwerste Masernepidemie seit 35 Jahren mit 3294 bestätigten Masernfällen in 47 Bundesstaaten. Pennsylvania ist besonders betroffen: Dort gab es bisher 676 Masernfälle, allein 108 neue in der vergangenen Woche, 124 Personen mussten in Krankenhäusern behandelt werden.
Die Frau, die am Samstag starb, war laut Jefferson County Coroner’s Office nicht gegen Masern geimpft worden. „Dies ist ein herzzerreißender Verlust für die Familie und eine bedrückende Erinnerung daran, dass Masern eine ernste und potentiell lebensbedrohliche Krankheit sein können“, sagte der Bezirks-Gerichtsmediziner Greg Furlong am Sonntag. Demnach hatte sich die Frau bei einem Familienmitglied infiziert. Zusätzlich habe die Vierzigjährige an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und an Asthma gelitten.
Streit über Todesursache
Auch die beiden zuvor gestorbenen Säuglinge hatten schwere Vorerkrankungen, die für den Tod mitursächlich gewesen sein könnten: Das eine Kind litt an einer Milzruptur, das andere an einer genetischen Erkrankung, einer schweren Form der Mikrozephalie.
Über die Todesursache war ein Streit ausgebrochen: Die nationale Gesundheitsbehörde CDC erkennt alle drei Fälle nicht als masernassoziierte Todesfälle an. Ein Grund ist die neue Impfpolitik der Regierung von Donald Trump und seines Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr.
Anfang August hatte Präsident Trump in Anwesenheit Kennedys ein Dekret zur Überarbeitung der Impfempfehlungen für Kinder unterzeichnet und dabei auch den Dreifach-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) diskreditiert und abermals einen möglichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus hergestellt.
Kennedy beschuldigt den Gouverneur der Angstmacherei
Der demokratische Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, wirft Kennedy und der Trump-Regierung vor, dass ihre Handlungen und ihre Rhetorik, was Impfungen angeht, „negative Auswirkungen auf die Gemeinden in ganz Amerika haben, besonders hier in Pennsylvania“. Kennedy wiederum beschuldigte den Gouverneur der Angstmacherei, die Todesfälle seien von Shapiros „übereifrigen Mitarbeitern“ erfunden worden, um die Erzählung zu unterstützen, dass Maserninfektionen gefährlicher seien als in Wirklichkeit.
Die Masern galten in den Vereinigten Staaten seit dem Jahr 2000 offiziell als ausgerottet. Sinkende Impfquoten gefährden allerdings die Herdenimmunität, die eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erfordert. Die Wissenschaft ist sich einig, dass Masern die ansteckendste der durch eine Impfung vermeidbaren Krankheiten sind. Der Masern-Mumps-Rubella-Impfstoff bietet allerdings einen hohen Schutz.
Laut CDC sind 45 Prozent der in diesem Jahr registrierten Masernpatienten unter 19 Jahren alt, 95 Prozent der Patienten insgesamt waren ungeimpft, 267 der 3294 Masernerkrankten mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Die sogenannte Kinderkrankheit, die durch das Masernvirus hervorgerufen wird, kann lebensbedrohlich sein und zu Lungen- und Hirnentzündungen führen. Bis zu drei von 1000 Fällen verlaufen tödlich.
