Deutschland will seine Anteile an der Commerzbank auch bei einer Übernahme durch die italienische Großbank UniCredit halten. Aus dem Bundesfinanzministerium hieß es, dass die Bundesregierung darauf poche, weiterhin zwei Vertreter im Aufsichtsrat der Commerzbank zu stellen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte nach einem persönlichen Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel: »Wir erwarten, dass die Commerzbank eine
börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt
und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in
Deutschland als auch international.« Das Vier-Augen-Gespräch mit Orcel
bezeichnete der SPD-Chef als konstruktiv. Die weiteren
Verhandlungen müssten verantwortungsbewusst geführt werden. Die Bundesregierung habe die Interessen der über 40.000 Mitarbeiter der
Commerzbank im Blick.
Commerzbank wehrte sich bislang gegen eine Übernahme
UniCredit hatte sich in den vergangenen Monaten fast die Hälfte der Stimmrechte an der Commerzbank gesichert. Beide Banken wollen nun über die von der UniCredit angestrebte Übernahme verhandeln. Die Frankfurter Bank hatte sich lange dagegen gewehrt, ebenso der Bund, der seit der Rettung der Commerzbank im Jahr 2008 Großaktionär des Geldinstituts ist. Nach den jüngsten Veränderungen hält der Bund aktuell 13,3 Prozent an der Commerzbank.
Das Treffen fand im Bundesfinanzministerium in Berlin statt.
Klingbeil hatte sich im Vorfeld mit Bundeskanzler Friedrich
Merz (CDU), Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), Frankfurts
Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp,
sowie mit dem Betriebsratsvorsitzenden Sascha Uebel abgestimmt,
wie es im Ministerium hieß.
Orcel sagte, er sei dankbar für die Gelegenheit, seine
Prioritäten erläutern zu können und erstmals auch Klingbeils zu
verstehen. »Wir hatten ein gutes und konstruktives erstes
Gespräch, dem rasch weitere folgen werden.« Jetzt sei es Aufgabe
beider Seiten, wie ein Weg nach vorn gefunden werden könne.
