
Nicht, dass es richtig Streit bei den neu formierten Skyliners geben würde. Aber es kommt jetzt schon mal zu kleineren Reibereien und Nickligkeiten im Training der Frankfurter Basketballspieler. Der hohen Intensität unter den Körben kann Trainer Klaus Perwas einiges abgewinnen, ist sie für ihn doch Ausdruck des zunehmenden Konkurrenzkampfs. „Am Anfang ist alles Friede, Freude Eierkuchen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. „Dann zeigen sich die wahren Gesichter. Die Jungs sind enorm motiviert.“
Seinen Eindrücken entsprechend voller Tatendrang und Energie steuern die Skyliners auf den Saisonstart zu: An diesem Sonntag (16.30 Uhr) treffen sie in der Ballsporthalle in der ersten Pokalrunde auf den Bundesligarivalen Jena. Ihre erste Erstligabegegnung tragen die Frankfurter am 24. September beim deutschen Meister Alba Berlin aus. Gleich ein ordentlicher Gradmesser.
Von seinen sechs oft anspruchsvollen Testspielen in der rund fünfwöchigen Saisonvorbereitung hat der EuroCup-Teilnehmer, auf den international die erste Aufgabe am 29. September in Venedig wartet, fünf gewonnen. Wo die Skyliners sportlich aber wirklich stehen, wird sich wohl erst im Verlauf des Oktobers zeigen, in dem sie sieben Pflichtspiele bewältigen müssen. „Irgendwann kommt der Realitycheck“, sagt Till Pape der F.A.Z.
Pape rechnet nicht mit bösen Überraschungen
Mit bösen Überraschungen auf dem Spielfeld rechnet der Kapitän nicht. Hier sei „viel da, was das Potential hat, etwas sehr Gutes zu werden“. Dazu zählt Pape die „sehr gute Teamchemie und Kameradschaft“. Außerdem den Vorteil, dass die Mannschaft „im Kern zusammengehalten“ wurde.
Nicht zu vergessen die Qualität, mit der sie in den vergangenen Monaten „vernünftig verstärkt“ worden sei. Mit dem Ergebnis, dass das Team nun reifer als in der Vorsaison ist. „Die Erfahrung ist der größte Unterschied“, meint Pape. Kurzum: „Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft.“ In der zurückliegenden Saison sei die Mannschaft „mehr bei null gestartet“.
Das Trikot mit der Nummer eins trägt bei den Skyliners Isaiah Swope, der sich eine Saison lang als Aufbauspieler ordentlich eingebracht hat. Der neuerdings wohl interessanteste Profi hat indes gewohnheitsmäßig die „51“ auf dem Trikot: Mit Ryan Arcidiacono verfügen die Frankfurter wieder über einen richtigen Point Guard in ihren Reihen.
Arcidiacono: „Ich weiß, was es heißt, erfolgreich zu sein“
Einen wahren Führungsspieler mit einem für Frankfurter Verhältnisse vergleichsweise großen Namen. Denn hinter dem 32 Jahre alten US-Amerikaner liegen sieben Spielzeiten in der NBA mit insgesamt 257 Begegnungen für die New York Knicks, die Chicago Bulls und die Portland Trail Blazers.
Dessen Erfahrung „auf höchstem Niveau“ werde „unserer Mannschaft in entscheidenden Momenten auf jeden Fall helfen können“, freut sich Perwas über die Zusammenarbeit mit dem „Winner-Typen und Leader auf und neben dem Feld“. Die Verpflichtungen Arcidiaconos und des ehemaligen Ulmer Meisterkapitäns Thomas Klepeisz, der 200 Bundesligaspiele vorweisen kann, tragen wesentlich dazu bei, „dass wir vom Guard-Play bestimmt besser besetzt sind“, sagt Perwas. Die beiden Spiellenker sollen Frankfurts Spielstrategie auf ein neues Niveau heben. Perwas wünscht sich von seinem Team, dass es in Zukunft „viel schneller und aggressiver“ spielt.
Allerdings sind Anlaufschwierigkeiten bei Arcidiacono nicht auszuschließen, weil er zum ersten Mal in Deutschland unter Vertrag steht und zuletzt in Puerto Rico und Italien nicht auf die höchsten Einsatzzeiten gekommen war. „Man merkt, dass er auf sehr hohem Level gespielt hat“, sagt Pape. Er werde aber womöglich „seine Zeit brauchen, um wieder richtig in den Rhythmus zu kommen“. So oder so: Arcidiacono selbst geht fest davon aus, in Frankfurt von seiner ereignisreichen Karriere zu profitieren. „Ich bin es gewohnt, mich an Spielstile anzupassen. Und ich weiß, was es heißt, erfolgreich zu sein.“
Die Play-ins zu erreichen, würden die Skyliners in der „so unberechenbaren Liga“ (Perwas) als Erfolg erachten. Mit einem Budget, dass „sportlich leicht im einstelligen Bereich gewachsen“ sei, wie es Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter, ausdrückt. Mit den finanziellen Mitteln auf die Beine gestellt wurde eine Mannschaft, die nach Einschätzung der Skyliners mit ihren Routiniers und Talenten eine spannende Mischung aufbietet. Und in der Harmonie trotz aller Konkurrenz eine wichtige Arbeitsgrundlage sein soll. Schließlich geht Klaus Perwas „immer mit hohen Erwartungen in die Saison“.
