Generalleutnant Wladimir Alexejew, der stellvertretende Chef des russischen Militärgeheimdiensts GRU,
ist in Moskau mit Schusswaffen angegriffen geworden. Ein Unbekannter
habe Alexejew in einem Wohnhaus im Nordosten Moskaus mehrfach in den
Rücken geschossen, berichteten russische Medien unter Berufung auf
Angaben des Ermittlungskomitees, die oberste russische Strafverfolgungsbehörde.
Demnach wurde Alexejew in ein Krankenhaus eingeliefert,
Details zu seinem Zustand wurden nicht genannt. Laut dem russischen Telegramkanal Baza, der Verbindungen zum Sicherheitsapparat haben soll, wird Alexejew in der Notaufnahme behandelt, sein Zustand sei lebensbedrohlich. Eine Bestätigung gibt es dafür nicht.
Der unbekannte Schütze konnte nach Angaben des Ermittlungskomitees fliehen. Es werde unter anderem wegen versuchten Mordes ermittelt. Die Behörde bezeichnete die Tat den Medienberichten zufolge als Attentatsversuch. Allerdings äußerte sie vorerst keinen Verdacht zu möglichen Motiven des Schützen. Staatschef Wladimir Putin sei über den Stand der Ermittlungen informiert worden, sagte sei Sprecher Dmitri Peskow.
Alexejew soll als Vizechef des GRU die Gründung der Söldnertruppe Redut
verantwortet haben, die nach dem Aufstand und der Auflösung der
Söldnertruppe Wagner zeitweise zum wichtigsten informellen militärischen
Verband Russlands geworden war. Laut einem Bericht von Radio Swoboda soll er auch weitere Söldnergruppen, die Kämpfer für den Krieg gegen die Ukraine rekrutierten, koordiniert haben.
2023 verhandelte Alexejew mit Söldnerführer Prigoschin
Auch spielte der Generalleutnant eine Rolle beim Wagner-Aufstand im Sommer 2023. Damals hatten Wagner-Söldner ein militärisches Kommandozentrum im südrussischen Rostow besetzt. Wagner-Anführer Jewgeni Prigoschin veröffentlichte ein Video, das ihn in dem Kommandozentrum bei Verhandlungen mit dem russischen Vizeverteidigungsminister, Armeegeneral Junus-bek Jewkurow, und Alexejew zeigte.
In dem Video maßregelte Prigoschin die beiden Generäle. Größtenteils sprach er dabei mit Jewkurow. Auf die Aussage Prigoschins, die Wagner-Söldner wollten Generalstabschef Walerij Gerassimow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu in ihre Gewalt bringen, antwortete Alexejew lachend: “Nehmt sie mit!” Zuvor hatte sich Alexejew allerdings mit einer Videoansprache an die Söldner gewandt und ihren Aufstand als “Messerstich in den Rücken des Landes” bezeichnet.
Hintergrund des Wagner-Aufstands war ein monatelanger Streit zwischen Prigoschin und der russischen Militärführung, welcher der Söldnerführer Inkompetenz, Korruption und Verrat vorwarf. Das Verteidigungsministerium hatte damals den Versuch unternommen, Prigoschins zehntausende Kämpfer umfassende Truppe unter seine Kontrolle zu bringen. Der Aufstand wurde nach einer Vereinbarung Prigoschins mit der Regierung abgebrochen, in deren Rahmen Prigoschin Straffreiheit zugesichert wurde. Der Söldnerchef kam zwei Monate später bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe Moskaus ums Leben.
Sanktionen wegen Wahlbeeinflussung und Nowitschok-Anschlag
GRU-Vizechef Alexejew steht seit 2016 auf der Sanktionsliste der USA. Anlass waren Vorwürfe der USA an Russland, wonach russische Geheimdienste versucht haben sollen, Einfluss auf die Präsidentschaftswahl im selben Jahr zu nehmen. 2020 verhängte Großbritannien Sanktionen gegen Alexejew, nachdem GRU-Agenten 2018 im britischen Salisbury versucht hatten, den ehemaligen Agenten Sergej Skripal mit dem verbotenen Chemiekampfstoff Nowitschok zu töten. 2019 hatte die EU Alexejew aus demselben Grund auf ihre Sanktionsliste gesetzt.
Der mutmaßliche Anschlag auf Alexejew ist nicht das erste Mal, dass hochrangige
russische Militärs zur Zielscheibe von Attentaten werden. Ende Dezember wurde Generalleutnant Fanil Sarwarow aus dem russischen Generalstab bei einer Explosion in Moskau getötet. Im April 2025
kam Generalleutnant Jaroslaw Moskalik durch die Explosion einer
Autobombe ums Leben. Im Dezember 2024 war mit Igor Kirillow der Chef der
russischen ABC-Abwehrtruppen ebenfalls durch einen Bombenanschlag
getötet worden. Der ukrainische Geheimdienst bekannte sich zu der Tat.
Im Fall der Schüsse auf Alexejew haben die russischen Ermittlungsbehörden bislang keinen Verdacht einer ukrainischen Spur geäußert. Alexejws Vorgesetzter, Admiral Igor Kostjukow, hat in den vergangenen Wochen die russische Delegation bei den Verhandlungen mit der Ukraine und den USA in Abu Dhabi angeführt.
Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
