
Wegen des Verdachts der Korruption und Geldwäsche ermittelt die brasilianische Polizei gegen den rechtsgerichteten Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro. Das geht aus einem Gerichtsdokument hervor, das am Freitag – 23 Tage vor der Wahl – publik wurde. Demnach wird bereits seit Juli ermittelt wegen der Finanzierung des Dokumentarfilms „Dark Horse“ über den früheren rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro, den Vater von Flávio Bolsonaro. Der Präsidentschaftskandidat sagte, er habe „nichts zu verbergen“.
Bei der Wahl am 4. Oktober tritt Senator Flávio Bolsonaro gegen den linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva an. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.
Flávio Bolsonaro: „Der Film ist vollkommen legal“
Der 45 Jahre alte Senator hatte schon im Mai eingeräumt, den mittlerweile inhaftierten Banker Daniel Vorcaro um Millionensummen zur Finanzierung des Films gebeten zu haben. Er bestritt jedoch, dass es dabei Gesetzesverstöße gegeben habe. Vorcaro sitzt seit November vergangenen Jahres wegen des Verdachts auf milliardenschweren Finanzbetrug durch sein später insolventes Bankhaus Master in Haft. „Der Film ist vollkommen legal“, sagte Flávio Bolsonaro am Freitag bei einer Wahlkampfveranstaltung.
Die Polizei untersucht nun, ob die von Vorcaro geflossenen Gelder möglicherweise nicht für den Film, sondern zur Unterstützung von Eduardo Bolsonaro, einem anderen Sohn des Ex-Staatschefs, verwendet wurden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus einer Quelle am Obersten Gericht erfahren haben will. Eduardo Bolsonaro lebt in den USA, in Brasilien wurde er deshalb im Juni in Abwesenheit vom Obersten Gericht zu vier Jahren und zwei Monaten Haft wegen des Vorwurfs verurteilt, in illegaler Weise auf den Putsch-Prozess gegen seinen Vater Einfluss genommen zu haben.
Das Oberste Gericht hatte den ultrarechten Ex-Staatschef Jair Bolsonaro vor einem Jahr wegen eines geplanten Umsturzes zu gut 27 Jahren Haft verurteilt. Er wurde schuldig gesprochen, eine „kriminelle Organisation“ angeführt zu haben, um seine 2022 erlittene Wahlniederlage gegen seinen linksgerichteten Nachfolger Lula zu kippen. Jair Bolsonaro befindet sich derzeit in Hausarrest.
Das noch nicht veröffentlichte Biopic „Dark Horse“ zeichnet ein positives Bild des früheren Präsident Bolsonaro, der vom US-Schauspieler Jim Caviezel verkörpert wird.
Neben der Geldzahlung von Vorcaro an Flávio Bolsonaro steht zudem der Verdacht im Raum, dass zur Finanzierung des Films öffentliche Gelder in Millionenhöhe veruntreut wurden. Am Donnerstag hatte die Polizei deswegen zahlreiche Objekte durchsucht. Nach Angaben der Bundespolizei wurden 49 Durchsuchungsbefehle vollstreckt. Medienberichten zufolge sollen parlamentarische Gelder, mit denen Abgeordnete eigentlich vor allem Projekte in ihren Wahlkreisen finanzieren können, für die Produktion des Films zweckentfremdet worden sein.
